Dienstag, 4. Oktober 2011

Denovali Swing-Samstag

Erstmals fand dieses Jahr das DENOVALI SWINGFEST in etwas größerer Location als zuvor (genauer gesagt der Essener Weststadthalle) und dabei sogar dreitägig statt. Beim doch etwas sehr Ambient-lastigen Billing hatte ich es mir verkniffen, gleich das Komplettprogramm mitzunehmen, hier aber dennoch die interessantesten musikalischen Eckdaten vom besuchten Samstag:

Recht früh ziehen NADJA in einer stockdunklen Halle ihren üblichen Streifen durch: Gitarrist Aidan Baker und seine, wie immer mit dem Rücken zum Publikum stehende Bassistin dronen Publikum und sich selbst, permanent an Effektgeräten rumdrehend, zum Godflesh-esken Computer-Doom-Beat bis in apathische Zustände. Was eine Viertelstunde lang ja tatsächlich ganz nett ist, sich irgendwann aber in völlige Beliebigkeit zu verflüchtigen scheint.

Das polnische CONTEMPORARY NOISE SEXTETT macht im Grunde genommen nicht mehr und nicht weniger als popig-modernen, ja fast schon rockigen, eingängig beschwingten Jazz mit Bläsern und E-Gitarre, der nur selten mal akzentuiert ins etwas wild expressionistische driftet. Das sollte auf dem Papier tendenziell zwar eigentlich nichts für Leute sein, die eher für Postrock-, Ambiet- und Drone-Kram diese Veranstaltung besuchen, aber diese Truppe macht nicht nur tatsächlich tierisch Spaß, sondern hat ihn auch sichtlich selbst. Z.B. als der E-Pianist auch schon mal mitten im Song Bier holen rennt. Sehr gute Band, mag ich wirklich gerne!

Das DALE COOPER QUARTETT ist zum zu Hause hören bestimmt ‘ne nette Sache, und ich werde da zeitnah wohl auch noch mal irgendwann ein Ohr riskieren, im allgemeinen „Event-Rahmen“ war mir der Freistil-„Dark Jazz“ der Franzosen zum entsprechenden Zeitpunkt, und zugegeben auch noch bei Erstkontakt gleich mit schon ein paar Bieren im Kopf, dann aber doch etwas zu ruhig und zäh, um sich ausreichend geduldig reinzufinden.

OMEGA MASSIF fallen dann als Band mit fetten Bratgitarren ja eigentlich schon etwas aus dem Rahmen. Merchverkäufe sprachen allerdings auch schon vorher recht deutliche Worte darüber, wen die meisten Besucher am meisten sehen wollen. Und der dicke Instru-Metal weiß auch voll und ganz zu begeistern. Lediglich die Ruhepausen zum Gitarren stimmen sollten sie noch irgendwie überbrücken.

Absolut gelungener Endspurt: THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE. Live dann trotz partiell live gespielter Instrumente doch einen Tick mehr Electronica/ Laptop-Ambient/ Trip Hop Act, als ich nach dem Genuss einiger Audiokonserven vermutet hätte, aber nicht weiter schlimm, sondern im Gegenteil ziemlich geil. Verwundert zunächst noch, dass da ein organisch-jazziger Schlagzeugrhythmus aus dem Nichts zu kommen scheint, bollern die Breakbeats von ‚Pigs for Swine‘ (zusammen mit ‚Lobby‘ die an diesem Abend auch gebotenen Oberknaller vom selbstbetitelten Langspieldebüt – sehr, sehr geil, wirklich!) danach dann umso mitreißender. Super Sache, würde ich mir bei nächster Gelegenheit unbedingt wieder angucken wollen. Atmosphärisch, praktisch, gut!

Tjoah, auch ansonsten: Rundum gelungene Veranstaltung. Super Orga, guter Sound, angenehmes Publikum, und über die ausgeschenkte Ätzplörre namens Stauder sehen wir da glatt noch mal wohlwollend hinweg.
Wenn nächstes Jahr der Schwerpunkt nicht sooo Ambient- und Drone-lastig sein sollte, wie dieses, nehme ich dann vielleicht sogar mal wieder mehr als nur einen Tag mit.