Montag, 24. Oktober 2011

Deathgrind in Oberhausen

Ganz schön was los in der Gegend auf einem Samstagabend. Im geschätzten Essener Turock finden sich Ghost Brigade, A Storm Of Light und Intronaut ein. Im benachbarten Oberhausen nicht nur Orchid – die Doom-Orchid, nicht die Hardcore-Orchid - mit einem Rattenschwanz mir unbekannter Vorgruppen im Helvete, sondern auch noch im Kulttempel (Ex-„Saint“) EXHUMED und CEPHALIC CARNAGE. Die Wahl fiel nicht schwer, denn die Stoner- und Sludge-Übersättigung der letzten Zeit ließ mich dann ja doch mal wieder Bock auf Blastbeats haben. Also ließ ich sowohl das Package der eher mittelmäßgen und unspannenden Bands mit „Post-Metal“-Note im Turock, als auch den „so nah an Black Sabbath, dass nur eine Coverband noch näher dran ist“-Retrosound-Doom von Orchid liebend gerne dafür links liegen, endlich mal wieder CEPHALIC CARNAGE live zu sehen, denn ich liebe CEPHALIC CARNAGE. Auch wenn ich sie zugegeben nicht gerade oft von Konserve höre, sind ihre Gigs jedes mal wieder ein unglaubliches Fest, von dem ich mit einem zufriedenen Grinsen nach Hause gehe.

Doch der Reihe nach. Aufgrund meiner recht großzügig getimeten Anreise verpasste ich den lokalen „Special Guest“ in Form von PHOBIATIC, bei denen Ex-Ex-JaKa-Gitarrist Robert mitmacht. Sorry, Leute. Nächstes mal.

WOUNDED ENTRAILS erstaunen dann aber. Die Typen sind so jung (und machen sogar selbst ein Witzchen über diesen Umstand), dass der Gitarrist aussieht, als dürfe er so spät Abends gar nicht mehr vor der Tür sein. Aber spielerisch fit war der Junge, alter Schwede. Überhaupt wissen WOUNDED ENTRAILS mit einer stimmig Groove- und Gniedel-durchsetzen, zeitgenössisch brutalen Death Metal-Mixtur souverän zu überzeugen. Sehr gut, wirklich. Was ich allerdings manchmal nicht so ganz verstehen möchte, ist die in dieser Ecke oft vorzufindende Masche, spieltechnischen Irrsin bei furchtbar böser Grunzmusik eher so lbisschen ockerleicht-humorig rüberzubringen.

Wobei das eigentlich allerdings die perfekte Überleitung zu CEPHALIC CARNAGE ist, sind jene doch trotz spieltechnisch mitunter wahnsinniger Deathgrind-Brutalität die reinste Comedy-Band. Selbst wenn man es schon ein paar mal gesehen hat, macht ihre extra albern inszenierte Parodie-Nummer ‘Black Metal Sabbath‘ immer noch Spaß, genauso wie der Song, der als Kontrast zum komplexen Gebretter a la ‘Endless Cycle Of Violence‘ eher so ins sludgeig-rockige geht.
Schade ist jedoch, dass Gitarrist und Mitbegründer Zac Joe mittlerweile nicht mehr mit von der Partie ist, gab sein wildes Gehampel der Performance der Truppe in der Vergangenheit doch irgendwie noch das I-Tüpfelchen. Der neue im Boot macht da im direkten Vergleich mal keine allzu gute Figur. Allerdings fehlte ebenfalls der gewohnte Basser mit dem Sechssaiter auf dieser Tour, und dessen (vorrübergehender?) Ersatz entpuppte sich an diesem Abend als größter Clown, den man je gesehen hatte. Abgerundet wird das ulkige Gesamterscheinungsbild natürlich durch Frontmann Lenzig Leal, der nicht nur mit ein bisschen grau im Bart inzwischen aussieht wie der kleine Bruder von Tom Araya, sondern auch noch durch Weisheiten der Marke „Wir sind gerne in Deutschland … weil es so nah an Holland liegt“ (CC sind bekennende Kiffköppe –Anm.d.Verf.) und ausgiebig das Thema Masturbation involvierenden Ansagen glänzt.
Abgesehen davon, dass ich durchaus gerne mal wissen würde, was genau da Line Up-mäßig eigentlich los ist – Hammer Gig! CEPHALIC CARNAGE ist echt so eine Band, die ich mir ohne Ermüdungserscheinungen wirklich immer wieder geben kann.

Was ich zu den headlinenden EXHUMED so ja eher nicht sagen möchte. EXHUMED sind keine schlechte Band. Als ich in der Phase war, in der ich meine Fühler erstmals verstärkt in Richtung Grindcore und Extrem-Metal ausstreckte, war das durchaus ein Name, der damals auch schon, obligatorischerweise via Relapse Records, mit dabei war. Wenn man sie allerdings (nach einem Clubgig mit Atheist und Macabre im Frühjahr, sowie zwei Open Airs diesen Sommer) zum vierten mal innerhalb eines Jahres, und dann auch noch in Headliner-Länge sieht, kommt der doch sehr straighte „Gore Metal“ der Truppe dann ja doch etwas eindimensional. Nix gegen eine ungestüm auf dem Punkt rausgeknallte Thrash/Death/Grind-Mixtur, aber das ganz große Spektakel mit herausragendem Songwriting-Gespür ist das für mich persönlich ja eher nicht. Die Band selbst kann da natürlich nichts für und ich muss auch schon zu Protokoll geben, dass sie mächtig Alarm machte und beim restlichen Publikum super ankam und mitriss.
Von daher: Netter Abend! Nur leider doch verhältnismäßig mäßig besucht …

1 Kommentare:

Dark Angel hat gesagt…

CEPHALIC CARNAGE waren auf der Tour eindeutig der heimliche Headliner.