Montag, 10. Oktober 2011

Brutal Truth – End Time

Im RockHard Magazin ging man zuletzt ja recht verhalten mit BRUTAL TRUTH um. „Leben nur von ihrem kultigen Legendenbonus, haben musikalisch aber nicht mehr wirklich was zu sagen“ hieß es vor zwei Jahren sinngemäß im Review zum Comeback-Album, und dann noch sowas wie „eine dieser Bands, dessen Name grundsätzlich mit Ehrfurcht ausgesprochen wird, obwohl dieses angeschrägte Geknatter eigentlich niemand wirklich hört“ anlässlich einer DVD-Veröffentlichung. Au contraire, mes amis. Natürlich gibt es Leute, die tatsächlich BRUTAL TRUTH hören. Leute, von denen die New Yorker Truppe um Bassisten-Ikone Danny Lilker (S.O.D., Nuclear Assault, …) eben gerade auch geschätzt wird, weil sie ihren Frühneunziger-Deathgrind im Laufe der Zeit mit noch mehr Punk im Sound und gewisser Experimentierfreude bis ins jazzige „anschrägte“, erweiterte und variierte, und damit ihr eigenes Ding fand. Aber dass man das gerade in Bezug auf eine Band, zu der sich u.a. auch die Melvins und Converge schon als Fans und Freunde bekannten, im Umfeld des Dortmunder Traditionsmetall-Blättchens mal wieder nicht so ganz schnallen möchte, ist ja nur typisch und bezeichnend (No Offense, Jungs und Mädels; Ihr wisst, ich hab‘ Euch lieb...).

Okay, eines gebe ich jetzt schon mal offen und ehrlich zu: „End Time“, das aktuelle Album des Quartetts, ist nicht ihr bestes oder zwingendstes, und ja, das liegt u.a. tatsächlich auch an der gewaltsamen Unkonventionalität der ganzen Kiste.
Fand man auf „Evolution Through Revolution“ zwar Grindcore-„Geknatter“ vor, das trotz gehöriger Schräglage immer noch verhältnismäßig (!) zugänglich nach vorne kachelte, wird man dieses mal noch ein bisschen mehr gefordert. Unter den 23 Tracks (!) des Albums finden sich eine 5-Sekunden-Nummer und als Abschluss eine fünfzehnminütige Jam-Krachcollage ein. Bleiben 21 (okay, eigentlich 20) „normale Songs“, die ebenfalls wirklich alles andere als normal sind. Gleich zu Anfang kann sich die Band den perfiden Scherz nicht verkneifen, dem Hörer eine langsam stampfende Atonalität als Opener reinzudrehen, bevor erst beim Song danach auch das Genre-typische Blast-Drumming losbrettert.
Dabei ist es vor allem Band-Neuzugang Erik Burke’s mitunter recht dissonant-quer rausgedrückter Gitarrenarbeit, in Kombination mit einer recht dreckig gehaltenen Produktion geschuldet, dass „End Time“ trotz vorwiegend rasanten Tempogangarten ein ganz schön zäher und verworrener Brocken ist.

Auch wenn sie sich in ihrer Ausrichtung fast schon kontrastieren, gilt für die neue BRUTAL TRUTH damit unterm Strich in etwa das gleiche, wie für die aktuelle, eher etwas rockig ausgeartete Today Is The Day: Sicher, Meisterwerk, Must Have oder potenzieller Klassiker is' was anderes; hat aber auch niemand mit gerechnet oder behauptet. Als Revier markierende Duftmarke mit unverkennbar eigener Note, die diesem reanimierten Urgestein keiner streitig machen kann (gegen „End Time“ wirken Pig Destroyer popig!), sticht allerdings auch dieses Album räudiger, brutaler Musik, mit manchmal fast schon irrealen Akzenten, als verqueres Unikat aus der sog. Extrem-Metal-Szenelandschaft hervor. Und seltene Pflänzchen sollte man bekanntlich besonders schätzen und pflegen …