An sowas hat man natürlich erst mal keine großen Erwartungen, aber AMEBIX' „Sonic Mass“ ist – ironischerweise – ein Comeback-Album vom Schlage wie Celtic Frost's „Monotheist“, oder auch Eisenvater's „IV“. Kein Versuch, alte musikalische Herangehensweisen zu reproduzieren, sondern etwas neuzeitliches, eigensinniges, unerwartetes, das aber nach wie vor zum Spirit der Band passt.
Geiles Cover übrigens:

Zur Musik: Der Opener „Days“ schockiert fast erst mal als so eine Art ... ja was eigentlich? Pompös-balladesker Gothrock? Die zweite Nummer dann instrumentales Metal-Gerödel mit hypnotischen Tribal-Qualitäten. Der dritte Song klingt dann total nach Killing Joke, was gerade auch die Vocals vom „Baron“ Rob Miller betrifft. Etwas, das sich an dann weiter über die Platte zieht. Düster-atmosphärischer, energisch knallender, gelegentlich Keys-unterstützter Metalrock der leicht angeschrägten Sorte, mal druckvoll treibend, mal mit Pathos vorgetragen. Eigentlich sind einige Nummern damit sogar so nah an Killing Joke, wie es Killing Joke selbst auf einigen Alben nicht waren.
Aber schafft man es, Jaz Coleman beim Hören dieser Scheibe aus dem geistigen Auge zu kriegen, bekommt man mit „Sonic Mass“ ein Album, wie man es nicht alle Tage bekommt. Eines, bei dessen Entstehen spürbar auch auf das Gesamtkunstwerk Album geschaut wurde. Alte Recken verwirklichten sich hier noch mal selbst und hatten es dabei nicht nötig, irgendwelchen Erwartungen oder Schubladen, in die andere sie stecken wollen, zu entsprechen.
Heißt: Wer von Amebix aufgrund ihrer Legende jetzt noch mal spartanisch inszeniertes Crustgepolter haben will, ist hier falsch. Wer gute, eigensinnige Metal/Rock-Songs mit Eiern und tatsächlich alternativem Anklang zu schätzen weiß, der wiederum kann sich glücklich schätzen, mit „Sonic Mass“ eines der geilsten Alben des Jahres zu begrüßen. Da kann auch der etwas irritierende KJ-Klonlabor-Faktor nix dran rütteln. Ich jedenfalls bin davon gerade ziemlich begeistert.
Krasse Randnotiz: Roy Mayorga, den neuen Drummer des Trios, kennt man nicht nur von der Crust-Legende Nausea, sondern der Gute steht auch im Dienst von Stone Sour, bzw. stand ferner schon in dem von Soulfly, Sepultura, Dave Navarro und Roadrunner United. Also kein Wunder, dass die Scheibe so tight knallt …

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