Freitag, 23. September 2011

RIP UiP

URLAUB IN POLEN habe ich über die Jahre ja doch hier und da immer wieder mal live gesehen. Aber, so muss ich zugeben, irgendwie jedes mal nur mehr so nebenbei und ungewollt, weil sie halt zufällig auch dort spielten, wo ich mich gerade wegen einer anderen Band oder aus anderen Gründen ebenfalls aufhielt ...
Auch wenn sie einem vom Visions als Musikmagazin und Konzertveranstalter im Laufe der Zeit immer wieder recht zuversichtlich vor die Nase gehalten wurden, sowie gefühlt saisonell wirklich andauernd irgendwo spielten - ob sie mit ins Billing passten oder nicht so wirklich - wurden UiP nie "groß". Und das verwundert bei ihrem Stil zwischen allen Stühlen nicht wirklich. Auf lärmige Gitarrenwände kann die Electronica-Fraktion halt häufig eher nicht, Alternative- bzw. Rock-Leute wiederum haben oft gar keinen Bock auf Sequencer und Synthies, und Indieclubgänger stehen ja dann doch eher auf Popsongs als auf kruden Experimentalsound, während Krautrock-Referenzen in der „Indietronic“- oder Postrock-Ecke ja erst in jüngerer Vergangenheit wirklich etwas schicker geworden zu sein scheinen (so zumindest mein unqualifizierter Eindruck von außen).
Ein schwieriges Schicksal für eine Band, die eigentlich – Vorsicht, Floskel – für jeden was hat: Indie-/Noiserock, der gelegentlich richtig bis ins dickeirig-brachiale driftet, tanzbar-hypnotische Rhythmik, sowohl in Form von Konserven-Beats als auch eines fähigen Live-Schlagzeugers, atmosphärisch-psychedelische Gangarten, und elektronische Versatzstücke, die von Dub bis zu sowas wie Industrial reichen (nicht lachen, aber manchmal erinnerte mich das gebotene live glatt an die Young Gods). Eigentlich haben UiP somit ja vieles, das auch mich ziemlich anspricht. Und trotzdem habe auch ich diesen eigentümlichen Nischen-Act über die Jahre trotz aller Sympathien nur ziemlich stiefmütterlich behandelt.
Als die Duo-Formation nun auf Abschiedstour kam, und das dann auch noch in die altehrwürdige Zeche Carl (in der sonst ja leider nicht mehr viel zu gehen scheint), wollte ich ihnen allein deswegen diese Ehrerbietung noch mal erweisen.
Und es war irgendwie so, wie man erwartet hatte. Der Laden war eher übersichtlich als wirklich nennenswert gut gefüllt, und das altersmäßig recht gemischte Publikum dabei größtenteils ziemlich hüftsteif. UiP gingen ohne Support pünktlich um halb neun auf die Bühne und spielen bis zum Zugabenblock mit, wenn überhaupt, nur kurzen Pausen zwischen den Songs ‘ne Stunde durch. Die Performance von Sänger, Gitarrist und Elektronik-Bediener Georg Brenner (der im Übrigen außerdem auch bei Ken mit diesem unerträglichen Aydo mitmacht) ist eine Mischung aus sympathischen Nerdtum und manchmal leicht unbeholfen wirkenden, umso ehrlicheren Rockposen. Aus der Konserve kommen geile Waber- und Surr-Sounds (ja, ich stehe auf sowas, Ihr festgefahrenen Stonerrock-Köppe, get over it!), Drummer J.P. Janzen gibt nicht einfach nur four to the floor, sondern kachelt auch schon ziemlich geile Fills raus, und das Gesamte marschiert durch seinen ganz eigenen, neukrautrockigen Kosmos zwischen Soundtüftler-Labor, Danceclub und Rockshow, zwischen Psychedelik und krachigem Abgerocke, und doch fühlt sich das alles natürlich und unaufgesetzt an.
Geiles Konzert. Und eine gute Entscheidung, sich das noch mal im nüchternen Kopf und bewusst gegeben zu haben, anstatt nur beim angetrunkenen Vorbeistolpern an einer Wald-und-Wiesen-Dorffestbühne.
Wie gesagt: Es verwundert nicht, dass UiP bis zuletzt eher den musikbesessenen Vollnerds vorbehalten blieben, anstatt ein großes Szeneding zu werden. Ich erspare uns jetzt auch bewusst Floskeln a la „zu viel des guten“ oder „Perlen vor die Säue“, und das nicht nur vor dem Hintergrund, dass ich selbst mir da ja nun mal auch nicht jedes Album gekauft und in Dauerrotation gehört habe oder zu Headliner-Shows gepilgert bin. Aber im Rahmen des Farewell-Gastspiels noch mal gesehen und gehört zu haben, wie gut und unterhaltsam diese Band doch eigentlich war, anstatt sie bei der letzten Gelegenheit dann auch noch zu verschmähen, das fühlte sich schon irgendwie richtig an und lies einen mit dem Gefühl nach Hause fahren, bei etwas dabeigewesen zu sein, auf das einige in mittelfristiger Zukunft mit ziemlicher Sicherheit als „sträflich unterbeachtete Band“ zurückblicken werden.

1 Kommentare:

#. hat gesagt…

http://dahofmeister.blogspot.com/2011/09/urlaub-in-polen-rip.html
Da gibt es ja einige Parallelen, wie!? Aber damn - Du warst zwei Tage früher dran! Jetzt denkt vermutlich jeder, ich würde mich von Dir inspirieren lassen. Jaja, you wish!!! ;)