Dienstag, 5. April 2011

Anfang April Review Roundabout

BUZZOV-EN - „Revelation: Sick Again“
Ob man es jetzt Buzzoven, Buzzov•en, Buzzov-en oder Buzzov*en schreibt, sei mal dahingestellt. Hinter jedweder Schreibweise verbirgt sich jedenfalls jenes legendäre Sludgecore-Urgestein, das die Wurzel des Familienstammbaums ist, aus dem eine ganze Riege weiterer verranzter Cannabiskrach-Kapellen hervorging (u.a. Weedeater) . Nachdem man sich in den letzten Jahren mit Compilation-Alben begnügen musste, die uns von Alternative Tentacles oder Relapse Records gegönnt wurden, kam HydraHead nun auch endlich mit dem schon irgendwann um die Jahrtausendwende aufgenommenem (!), aber nie offiziell veröffentlichten Album “Revelation: Sick Again“ aus der Hüfte. Und ich sage es mal ganz offen: Das Teil ist wohl primär wirklich nur was für jene Sammler und Fans, die drauf gewartet haben. Acht Tracks in knapp unter einer halben Stunde, darunter noch ein dilettantischer Krach-Blues ohne Rhythm Section und jede Menge Filmsample-Überleitungen – so schnell wie der eine oder andere Track reingeht, ist die Scheibe dann auch wieder vorbei. Zwar finden sich unter den anderen sieben Songs durchaus so einige hitverdächtige Momente – wie der mächtig nach vorne treibende Opener und darauf folgend ein Schlepp/Aggrokeule-Wechselspiel, zwei doomig dominierte Nummern ('Loose' und 'Lock Up') , und der rockige 'Junkie', der auch von einem der ersten 2-3 Smoke Blow-Alben stammen könnte – aber ob man sich dafür wirklich gleich das Vinyl-Liebhaberstück für'n Zwanni ins Regal stellen muss, ist so eine Sache ... vielleicht macht es aber auch dennoch gerade hierbei irgendwie Sinn. Ich bin mir da wohl so unschlüssig, wie die Band laut eigener Aussage bei den Aufnahmen drogenbedingt neben der Spur war.


THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - „From the Stairwell“
So viel vorweg: Ich kenne von TKDE und ihren Sideprojekten beileibe nicht jede Veröffentlichung und kann vorausschickend eigentlich nur sagen, dass ich das selbstbetitelte Album aufgrund seiner auch mal lauter werdenden Trip Hop-Tendenzen sehr mag, mir das dezentere „Here be Dragons“ aber dagegen insgesamt nicht so gut gefiel. Man muss diesem Musikerkollektiv auf der Schnittstelle zwischen Laptop-Ambient und organischem Jazz aber wohl einfach zugestehen, offensichtlich bei jedem Mal wieder einen anderen Ansatz auszuprobieren. So wartet „From the Stairwell“ unerwarteterweise bei vielen Tracks mit (weiblichen) Vocals auf, und bleibt dabei in einer launig-dunkel-Lounge-igen Jazzschiene mit nur dezenter elektronischer Garnierung. Irgendwie seltsame Platte, und „die erste war sowieso die beste“, aber sagen wir es mal so: Ein nettes Chillout-Album für verregnete Abenddämmerungen, nicht mehr, nicht weniger.

BLUT AUS NORD - „777 Sect(s)“
Das Label der französischen Avantgarde-Black Metaller ist wohl noch nicht ganz im Jahr 2011 angekommen und regte sich kürzlich darüber auf, dass die aktuelle Platte vorzeitig im Netz landete, woraufhin auch alle Vorbestellungen schon mal früher als ursprünglich geplant rausgewuppt wurden. Kann ja total verstehen, wenn Euch das anpisst, aber man kann es heutzutage eben auch nicht mehr ändern, Leute. Bemerkenswert an BaN ist in erster Linie, dass sie vor ein paar Jahren mal mit „MoRT“ ein Album gewollter Düsterkrachcollagen-Nichtmusik aufnahmen, und auf der kurz zuvor veröffentlichten EP „Thematic Emanation of Archetypal Multiplicity“ vermehrt mit elektronischer Musik experimentierten. Eingerahmt wurden diese beiden Veröffentlichungen wiederum durch zwei Alben („The Work Which Transforms God“, 2005 und „Odinist: The Destruction of Reason by Illumination“, 2007), die mitunter was von Thorns und Godflesh hatten, und eben nicht wie archetypische Black Metal-Machwerke, sondern sehr eigentümlich klangen.
„777 Sect(s)“ ist da in ihrem aktuellen Wust aus Veröffentlichungen am Fließband keine Ausnahme dieser Gangart. Die Franzosen pendeln zwischen Blastbeat-Parts und Godflesh-Grooves, zugänglich-melodiösen Ansätzen und schräg-atmosphärischen Surrealismen, die im Gegensatz zu „MoRT“ noch den Bogen an zu wirrer Antimusik vorbeimachen. Das kalt konservierte schaurige Feeling des Ganzem zementiert der Band dabei jedenfalls eine ganz eigene Identität, die sie vor allem für eine gemeinsame Schnittmenge aus Freunden von Eigenart-Krachmachern a la Neurosis, Today ist the Day, Zeni Geva, Voivod, early Swans u.ä., sowie von obskuren Ambient-Black Metal-Projekten interessant macht, während so manch anderer Metal-Fan das vielleicht noch nicht mal als vollwertige Musik anerkennen möchte. Genau deswegen sind BaN interessant, gut und wichtig. Ob man sie in zehn Jahren von jetzt immer noch so „Avantgarde“ und geil wie heute finden wird, oder eher so ein bisschen darauf zurückblicken wird, wie ich inzwischen etwa auf Samael vor 10-15 Jahren zurückblicke (irgendwie dann ja doch etwas heißer gekocht als gegessen), das wage ich im hier und jetzt natürlich nicht zu beurteilen. Im hier und jetzt sind BLUT AUS NORD allerdings für vollnerdige „ungewöhnliche Düsterkrachmusik“-Elitisten der ganz heiße Scheiß, und ich mache ungeniert mit. Denn auf eine seltsame Art und Weise ist diese hypnotische Bösartigkeit dann ja doch ungeheuer packend.

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