Mittwoch, 23. März 2011

März Konzert Rundumschlag

Bochum-Rundumschlag im März: Konzertmäßig ging dieses Jahr im ersten Quartal ja irgendwie weniger als allgemein in den letzten, dennoch nahm ich zuletzt eine insgesamt recht bunte Tüte mit, witzigerweise alles im benachbarten Bochum:

NADJA, N
Christuskirche, Bochum Zentrum
 

Events, die etwas anderes als ne herkömmliche Rockshow sind, finde ich in letzter Zeit ja irgendwie durchaus spannend. Gerade auch als müder, alter Sack mit fortschreitender Kauzigkeit kann ich mir kaum eine bessere Freitag- Feierabendgestaltung vorstellen, als meinen Hintern auf ‘ner Kirchenbank zu parken und einfach nur entspannt den experimentelleren, dabei aber dennoch nicht groß fordernden Klängen zu lauschen. Aber mal Scherz beiseite, gerade bei solcher Drone-Musik sind die akustischen Gegebenheiten einer Kirche natürlich ein perfektes Ambiente. Wenn es etwas an diesem Abend auszusetzen gab, dann dass der Headliner etwas zu kurz spielte. Doch der Reihe nach: Die Dortmunder Vorband N besteht aus einem Typen, seiner Gitarre und einem Berg Effektgeräte. Widerhallende Soundwälle von Gitarren-erzeugten Ambientcollagen. Funktioniert gerade auch im erwähnten Rahmen ganz gut, auch wenn es nach irgendwas um ‘ner Dreiviertelstunde Soloklangkunst dann auch mal gut war.... aber es war eben auch ziemlich, äh, gut!
NADJA sind für mich ja allgemein vor allem u.a. auch deshalb interessant, weil sie das Gegenteil einer typischen Rockband sind. Zur Godflesh-artigen Rhythm Section aus der Konserve dronen sich Gitarrist Baker, ständig am Effekttischchen rumdrehend, und seine Bassistin, mit dem Rücken zum Publikum, in andere Sphären. Rein instrumental übrigens, was mich irritierte, denn auf mir bekannten NADJA-Releases gibt es auch Vocals. Was ja nicht weiter schlimm war, allerdings hätte das Ganze zum beeindrucken ruhig einen Tick lauter sein können. Außerdem spielten Nadja eine recht kurze Show, da muss als Headliner meiner Meinung schon ein bisschen mehr drin sein. Unterm Strich ein netter Konzertabend, aber so richtig value vor money war das dann soooo ganz irgendwie auch nicht.

MASERATI, Günter Schickert
Bahnhof Langendreer, Bochum

Direkt nebenan in der Matrix trat am gleichen Abend Devin Townsend auf. Aber mir lag doch irgendwie mehr daran, den "live gesehen"-Haken an MASERATI machen zu können, als daran zu HeviDevi zu pilgern, von dessen aktuellem Set ich vermutlich sowieso nur noch 1-2 ganz alte Songs kennen würde.
Ein bizarr-gemischtes Publikum war dem Umstand geschuldet, dass MASERATI als Support ihrer Deutschland-Tour Krautrock-Legende GÜNTER SCHICKERT eingeladen hatten. Um es kurz zusammenzufassen: Während im Hintergrund Videoprojektionen liefen, fing ein alter Mann im Westernhemd zunächst an, mit einem kleinen Blasinstrument in den Loop zu blasen, hing sich dann irgendwann seine Gitarre um, und sprach zu einem an sich gar nicht mal unspannendem Klangkonstrukt, das man wohl als „Drone-Musik“ bezeichnen könnte, „Kriegsmaschinen, fahrt zur Hölle“ ins Mirko. Ebenfalls gesprochen wurden dazu akzentuiert Gedichtzeilen einer im Schneidersitz auf der Bühne meditierenden Frau im goldenen Spandexkostüm. Das Ganze entbehrte also nicht einer gewissen Skurrilität und unfreiwilligen Komik, auch wenn ich wirklich versucht habe, darüber hinwegzusehen, aber Kunst und Komik liegen manchmal leider dichter beieinander, als es dem Künstler in seiner Intention lieb sein dürfte.
MASERATI? Ja, die waren nicht schlecht. Aber irgendwie auch nicht überragend. Ging es eigentlich nur mir so, oder klang die Sequencer-Stützung einiger Songs eigentlich den ganzen Gig durch gleich? Klang nicht überhaupt das ganze Konzert etwas sehr gleichförmig, als sie hauptsächlich das neue Album als nahtloses Liveset verwursteten? War der Drummer, der die eh schwierige Aufgabe hatte, den verstorbenen Jerry Fuchs zu ersetzen, nicht manchmal irgendwie etwas steif unterwegs? Nichts desto trotz, ich mag MASERATI. Ihr Postrock „rockt“ tatsächlich, und ihr Krautmotorik, Dance-Elemente und Psychedelica unter einen Hut bringender Ansatz geht eher in die Beine, als zum Wegträumen einzuladen. Bitte mal zusammen mit 64daysofstatic auf Tour kommen!

D.R.I. & Supports
Zwischenfall, Bochum-Langendreer West

Das Zwischenfall randvoll mit älteren Semestern, die tierisch dazu steil gehen, wie die alten Recken von D.R.I. zeigen, überhaupt nix verlernt zu haben? Super! 
Im Vorprogramm bot erst mal die Lokal-Hausnummer KILLING CHORD soliden HC, und für die ausfallenden Tourkollegen SSS sprang eine Punk-Coverband ein.
Der Headliner begeisterte dann auf ganzer Linie. D.R.I. ballerten quer durch die Discographie von den hardcorepunkigen Einminütern bis zu den thrash-metallischeren Stücken einen Hit nach dem anderen raus. Snap, I’d rather bee sleeping, I don’t need Society, Suit and Tie Guy – da fehlte nix. Wie denn auch, wenn man mal eben irgendwas um die gefühlten 60 Songs serviert?! Geil. Richtig, richtig geil.

Um die „4 of a Kind“ noch vollzumachen, müsste ich ja eigentlich Ende des noch laufenden Monats auch noch Ulver in der Bochumer Matrix mitnehmen, oder? Ich glaube, das mach‘ ich auch. Wobei der Spaß ganz schön teuer ist …

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen