Sonntag, 6. Februar 2011

Konzertwochenende

Ersparen wir uns lange Vorreden, außer dass das erste Februarwochenende quasi mein erstes nennenswertes Konzertwochenende 2011 war. Okay, The Very End sah ich Anfang Januar in Essen, wollen wir das mal nicht unter den Tisch fallen lassen ...

Auf jeden Fall riefen am Freitag Abend KYLESA in die Bochumer Matrix.
Eröffnet wurde von den Dortmundern NEWPHORIA, die mich ambivalent hinterließen. Ihre Musik ist irgendwas zwischen Indieschrammel- und Stoner Rock oder so, aber die Vocals der kleinen Blonden mit Gitarre in der Mitte driften regelrecht in R&B-artiges Geschmetter. Etwas too much für mich, klingt dadurch nämlich für 'ne hausgemachte Sache dann doch einen Tick zu sehr nach auf Mainstream schielende Designerkiste. Was nicht heißen soll, dass ich die Jungs und Mädels schlechtreden will, aber meiner Vorstellung von kräftigerer Gitarrenmusik entspricht das, trotz einiger ganz cooler Fragmente in der Gitarrenarbeit, halt nicht gerade. Für einen eher herbe Kost bevorzugenden Altrocker wie mich aber wohl auch generell einfach schlichtweg eine Spur zu popig.

Krasser Wechsel dann zu OKKULTUKRATI. Die Norweger sind Teil der sich seit einiger Zeit abzeichnenden Underground-Bewegung, Punk, Hard-, Crust-, oder Sludgecore mit Black Metal-Einflüssen zu vermengen. Im konkreten Fall hat die doch sichtbar am deutlichsten im Metal verwurzelte Mischung aus Doom-Parts und Uptempo-Gerumpel recht viel von Celtic Frost(/ Hellhammer), durch diverse Feedback-Nervenzerrer zwischen Schlepp-Parts etc. aber auch mal was von EyeHateGod. Ganz witzige Sache eigentlich, mir persönlich ist das aber wohl fast schon ein Tick zu sehr darauf geeicht, düster-böse und primitiv auf die Fresse gepoltert zu kommen. Been there, done that, im Moment wohl einfach nicht so einen Bock auf so etwas, und wenn, dann kommt Darkthrone's „The Cult is Alive“ in den Player.
Ich bin aber wirklich mal gespannt, ob diese Kiste jetzt tatsächlich der nächste heiße Scheiß ist, um den man bald gar nicht mehr drumherum kommen wird.

Eigentlich widerstrebt es mir ja zutiefst, zu sehr einen auf Musikerpolizisten und Elite-Selbstverständnis oder sowas zu machen, aber KYLESA sind für mich ein zeitgenössischer Präzedenzfall dafür, wie eine Band im Sprung vom Geheimtipp zum allgemeinen Ding der Stunde 'ne Menge falsch machen kann. Kündigte das aktuelle Album das bereits an, sprach dieser etwas seltsame Gig nun Bände. Auch benutze ich nur noch ungern den abgelutschten Begriff „überambitioniert“, aber genau das sind KYLESA wohl inzwischen. Keyboards und Theremin-Einlagen einbauen? Kann man ja machen, allerdings dann doch bitte ins Set passend und nicht als einfach nur drangepappter Gimmick. Bandkopf Phillip Cope geht inzwischen außerdem völlig darin auf, neben Gitarre spielen und singen andauernd mit „Paukenschlägern“ auf einer vor ihm hingelegten Bassdrum Tribal-Beats zu hämmern, was nicht nur im Mix zu laut kam, sondern auch noch komplett neben dem Takt her. Bei den Pop-Refrains zwei neuer Songs musste Laura ferner für den Gesangspart ihre Gitarre dazu ausdrehen, bis sie danach wieder gesangsfrei weiterklampfte. Nun ja. Wie ich schon zum aktuellen Album sagte: Für eine Band, dessen Shirts derzeit Szene-übergreifend die gesamte Botanik dekorieren, ist so eine Vorstellung irgendwie ein bisschen wenig (oder vielleicht auch bezeichnend). Ich habe nix gegen Shows, die einen Hauch von Dilettantismus versprühen, im Gegenteil liegt darin ein gewisser Charme, denn wie Alice Cooper mal zu mir sagte (nein, ich kann es mir mal wieder wirklich nicht verkneifen, dass er das zu mir gesagt hat): „Rock'n'Roll hat nicht perfekt zu sein“. Wenn eine dauertourende, angesagte Hipgenre-Größe aber mit einer Performance um die Ecke kommt, die wirkt als würden die Jungspunde von nebenan aus Wanne-Eickel gewollt und nicht gekonnt versuchen, ihren Kram mit ein bisschen Extrafirlefanz aufpeppen, dann hat das keinen unperfektionistischen Charme, sondern ist eher das Gegenteil davon.
Irgendwie finde ich es ein bisschen schade, dass diese Band für mich jetzt schon wieder erst mal „durch“ ist, denn „Static Tensions“ war ja eigentlich schon ein ganz schön geiles Album.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde dann u.a. dieser Blog von einer geschätzten Bekannten sehr gelobt (an dieser Stelle natürlich einen ganz lieben Gruß an Dich, A.!), und ich wurde in der späteren Partylocation eine Stadt weiter noch Zeuge folgendem Clubklodialogs:
Ratzevoller Indietyp diskutiert das gerade wenige Stunden vergangene Revierderby und fragt einen reinkommenden Metaltypen „Ey Du! Bist Du Dortmund oder Schalke?“. Besagter Metaltyp, im Vorbeigehen mehr oder minder trocken: „Slayer!?!“. Ganz große Props an Dich, mein Freund. Made my day ...

Den Abend darauf raffte ich mich mittelschwer verkatert mit einem Freund noch dazu auf, sich HOWL, BLACK TUSK und die BLACK SPACE RIDERS im Essener Cafe Nova zu geben. Was sich gelohnt hat, gerade auch im Kontrast zum vorangegangenen Konzertabend, doch zu diesem Zusammenhang später noch.

Als wir den Laden betraten, waren die BLACK SPACE RIDERS aus Münster schon fast am Ende, und erst mal nicht so der Bringer,wie auch optisch mehr so die Provinzwochenendrocker. Ihr Finale wusste aber doch mit ganz gut gemachtem Stoner Rock zu gefallen. Keine Band, von der ich mir einen Tonträger kaufen, oder die ich unbedingt noch mal sehen müsste, aber sollten sie mal wieder in der Gegend spielen, während ich auch zufällig wegen einer anderen Combo anwesend bin, würde ich sie mir wohl durchaus mal in voller Länge angucken. War okay.

Bei den folgenden Amis von HOWL war der Kontrast zwischen recht sympathischen Ansagen und ziemlich wütender Musik dann dezent amüsant. Sich fürs gute Essen des Ladens bedanken, aber dann Alarm machen als würde man die ganze Welt in Frage stellen – hat was. HOWL sind eine dieser Sludge-Bands, die ein bisschen was von früheren Mastodon haben, aber das halt weniger angejazzt, auch wenn einem durchaus der eine oder andere krumme Takt oder Break reingedreht wurde. Diese bestimmte Art von Groove, mit der HOWL's kilometerdicke Gitarren alles niederwemmsen ist dabei allerdings schon eine ziemlich mitreißende Angelegenheit. Da wurden so einige Riffs rausgehauen, bei denen ich dachte: „Genau so hat das zu klingen!“. Thumbs up.

Oh, isn't it ironic: Empfand ich das aktuelle BLACK TUSK-Album auf Relapse Records als eine Spur zu sehr „Kylesa light“, als dass es mich begeistern würde, so funktionierte das Ganze in livehaftiger Form gerade im Direktvergleich zum Gig, ihrer aus dem gleichen Ort stammenden Vergleichsreferenz-Kollegen am vorangegangenen Abend umso besser. Eine abgeranzte Trio-Formation, bei dem selbst der, das minimale Kit voll ausnutzende Drummer Vocal-Parts hat, haut ihren Kram räudig und mit roher Energie ohne irgendwelchen unnötigen Quatsch drumherum als reine Rock'n'Roll-Show in einem kleinen Laden raus – eine Wohltat gegen die pseudo-multiinstrumentalen Musiktherapie-Ausrutschter, die einem die doppelt so viele Mitglieder umfassende Band am Abend zuvor im Röhrenbunker der Bochumer Matrix zumutete.
Hat gebockt. Auch wenn ich BT nach wie vor nicht auf die Liste meiner Lieblingsbands setzen würde – als Kuh fliegen lassender Live-Act war das wirklich mal einen Besuch wert. Da konnten auch kleine „technische Probleme“ nix dran rütteln.

Okay, soweit dazu. Darf ich jetzt wieder zurück aufs Sofa?

1 Kommentar:

  1. noch 11 tage bis KYLESA und 16 tage bis BLACK TUSK und HOWL in hamburg. die vorfreude steigt. auch howl arbeitet sich langsam aber sicher in meine aktuelle rotation, in der black tusk und kylesa eh schon seit spätestens sommer rumkreiseln. dein positives feedback macht heiss auf die vielleicht 2 besten konzerte dieses jahr,zumindest bis zum sommer. über das kylesa konzert hab ich mal hinweggelesen. let's see. grüße

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