Mittwoch, 24. November 2010

The Young Gods - Everybody Knows

Eines vorweg: Gerne würde ich an dieser Stelle ja mehr als nur sinngemäß „Joah, die haben auch ein aktuelles Album raus“ zur Kenntnis geben können, aber es ist schlichtweg ein Fall von „Ehre wem Ehre gebührt“ (dass ich diese aktuelle Veröffentlichung hier überhaupt abfrühstücke, obwohl sich meine subjektive Begeisterung in Grenzen hält).
Die YOUNG GODS sind nämlich eine dieser Bands, deren Größenstatus und Bekanntheitsgrad bis heute nicht ihrem allgemeinen Einfluss gerecht wurde. Von Krachmachern wie Sepultura und Ministry bis zu „Mainstream-Popgrößen“ wie David Bowie und The Edge (U2) reicht die Riege an Künstlern, die sich in der Vergangenheit schon von den Schweizern beeinflusst und begeistert zeigten. Auch Fans wie Trent Reznor, Mike Patton oder Devin Townsend dürften jeweils alleine schon ein größere Riege an Anhängern haben, als die von ihnen gerne mal als Inspirationsquelle zitierten YOUNG GODS selbst, die seit Mitte der 80er ihre ganz eigene Stilformel elektronischen Rocks kultivierten. Dabei waren sie nie um Experimente verlegen, und muteten ihrer Hörerschaft über die Jahre u.a. auch reine Ambient-Werke, ein Unplugged-Album und Coverversionen von Kurt Weills „Dreigroschenoper“ zu.
Mit ihrem neusten Album beweisen sie nun mehr denn je, dass sie wohl am ehesten mit min. einem Bein knietief im Jazz stehen, anstatt irgendwie den Dancefloor bedienen oder Krachfetischisten befriedigen zu müssen. „Everybody Knows“ fusioniert elektronische Sounds und akustische Instrumente zu einem entspannt-lebendigen Gesamtklangbild, bei dem man manchmal gar nicht mehr so genau verifizieren kann, was genau rein handgemacht ist oder doch irgendwie aus der Konserve kommen mag. Dabei nähern sie sich stilistisch über weite Strecken stark so etwas wie „Trip Hop“ an. Einen etwas energischer rockenden Ausbruch mit bluesigen Gitarrensoli gibt es auf diesem Album tatsächlich nur ein mal (‚No Land's Man‘), die restlichen Tracks tönen wesentlich relaxter.
Wo auch meine persönliche Crux begründet liegt. Als Soundtrack zum sonntäglichen In-die-Gänge-kommen beim verkaterten Bettfrühstück ist dieses Album nahezu perfekt. Was mich betrifft, so mag ich ein YG-Album wie das inzwischen auch schon wieder zehn Jahre alte „Second Nature“, das an allen Ecken und Kanten mit knallenderer Rhythmik und dröhnenden Waber- und Brodel-Sounds etwas lauter daherkommt, zugegeben halt einfach viel lieber.
Ans Herz gelegt sei diese „Alternative Pop“-Veröffentlichung somit vor allem Freunden neuerer Einstürzende Neubauten-Scheiben wie „Perpetuum Mobile“ und „Silence is Sexy“, sowie vielleicht auch Massive Attack-Fans. Schlecht ist „Everybody Knows“ wirklich nicht. Nur halt einfach nichts, was ich tatsächlich öfter hören müsste …

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