Freitag, 26. November 2010

WITTR live

Kleiner Tagebucheintrag zum WOLVES IN THE THRONE ROOM Konzert in Köln: Dass es an der Grenze zu ausverkauft gefüllt sein würde, hätte ich ja nicht gedacht, aber das liegt wohl im Konsenspotenzial der Band begründet. Über Southern Lord veröffentlicht und sogar in Indie-Gazetten gehypet, zieht der ideologisch klischeefremde, atmosphärisch „pure“ Black Metal der Band inzwischen den „richtigen Metaller“ mit Kutte oder Morbid Angel Shirt genau so wie den Beardo-Stoner, während der urbane Hippster, der auch mal dabeigewesen sein will, genau so auszumachen ist, wie die Schwarzmetall-Szenebarbie mit Patronengurt überm schwarzen Minirock mit Pentagramm-Patch dran. Dazu dann auch noch ein nahezu durchgängig großer Andrang am Merchstand, wie ich es selten gesehen habe.
Ein weiteres Phänomen, das mit dieser Szene-Vermengung einhergeht, ist der in letzter Zeit inflationäre Einfall von Geräuschmusik-Experimentalisten, die immer mehr zwischen Eckpfeilern wie Black Metal, Sludge und Post-Irgendwas stattfinden. Denn als Support musste man erst mal HELLVETE hinter sich bringen. Dabei sitzt ein Typ im Holzfällerhemd alleine auf der Bühne und wirbelt mit einem Geigenbogen auf einem Banjo rum, was aus der P.A. dann wie eine einzige Drone/Blackened Ambient Ohrenbluten-Geräuschkulisse waberschneidet. Naja.
WOLVES IN THE THRONE ROOM sind live allerdings über jeden Zweifel erhaben. Klar, könnten sie noch etwas mehr aus der ganzen Sache rausholen, als in ca. einer Stunde vier ihrer überlangen Songs runter zu zocken, aber nun ja – so funktioniert das Spiel bei denen. Über die „stimmungsvolle“ äußere Präsentation mit Kerzendekoration in völliger Dunkelheit kann man sagen, was man will – hier zeigt sich für mich der Unterschied zwischen WITTR und sowas wie Watain, die in der Richtung noch viel mehr Bohia auffahren. Denn da wo WITTR einfach nur in visuell stützendem Ambiente ihr Ding durchziehen und damit packen, hypnotisieren und begeistern, da ist so eine Band wie Watain eben doch nur ein etwas alberner Showact mit wesentlich weniger künstlerischer Substanz, aber dafür halt mit Corpsepaint und Satanistengetue. Jaja, steinigt mich, Ihr trve grim and frostbidden Black Metaller, aber so sehe ich das.
Dass WITTR auf dieser Tour nur als Trio auftreten, nahm übrigens gar nichts weg, denn wer vermisst bei solcher Musik denn eigentlich schon wirklich einen Bass?
Gutes Konzert, gerne wieder. Dann aber bitte vielleicht in einer etwas besseren Location, als auf der viel zu niedrigen Bühne im Kölner Underground.

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