Freitag, 12. November 2010

Shrinebuilder & Planks live in Köln (Gebäude 9)

Das Konzert von SHRINEBUILDER wollte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen, weil wer weiß, wie oft man dazu generell so die Gelegenheit bekommt, da alle vier Protagonisten der Band auch so schon in genug musikalische Spielwiesen verstrickt sind. Drummer Dale neben anderen Geschichten wie Men of Porn primär bei den nicht gerade wenig machenden Melvins, Basser Al Cisneros hat OM und die reformierten Sleep am Start, Gitarrist/Schreihals Scott Kelly ist abseits seiner Hauptband Neurosis auch mit Solo- und Nebenprojekten unterwegs, und bei Stoner/Doom-Ikone Wino kann man so oder so gelegentlich schon mal den Überblick verlieren, wo er gerade so alles seine Finger mit drin hat bzw. unter welchen Bandnamen Formationen mit ihm aktiv sind.

Supporten durften PLANKS. Besagte Mannheimer hatte ich hier anlässlich ihrer Gratis-Downloads schon mal erwähnt. Auf frühen Konserven klangen diese trotz starkem Kokettieren mit der Sludgecore/Post-Metal-Ecke und sogar angeblichen Black Metal-Einflüssen ja doch primär erst mal sehr nach metallisch angehauchtem Crust-Hardcore-Geboller und -Gebrüll. Live wurde hier allerdings tatsächlich ein ganz netter Querschnitt von atmosphärisch schleppendem bis zur Blastbeat-Prügelei aufgefahren. Was manchmal ganz gut funktioniert, und manchmal auch eher nicht. Eine wirklich aufregende Sache sind PLANKS nicht, aber es gibt auch beileibe uninteressantere Bands.

SHRINEBUILDER kamen in der „nur“ ganz gut gefüllten Halle unter Jubel auf die Bühne, und brachten die Halle erst mal eine Weile Feedbackdrone-mäßig zum Beben, bis dann mal der tatsächliche erste Song losging. Das zunächst zwar mit viel zu lautem Bass und generell etwas durchwachsenem Sound, ein derart explodierendes Intensiverlebnis in einer an allen Ecken bebenden, dröhnenden und vibrierenden Konzerthalle habe ich in so einem Maße allerdings bisher auch nur selten erlebt. Was weiterhin folgte war ein guter, aber beileibe nicht perfekter Gig. Wenn die Allstar-Band Songs ihres Albums – auch gerne mal etwas variiert - spielte, brannte die Luft. Da stimmte alles. Winos Gitarrensound war unfassbar geil, Kellys Gebrüll kam Urviech-artig, Cisneros basste sich um den Verstand, und Crovers spielfreudig treibendes Drumming überschritt ebenfalls nicht selten die Grenze zur Manie. Der ganze Raum war erfüllt von Klang. Nicht einfach nur von lautem Krach, sondern etwas wirklich großem, das mich zum zufriedenen grinsen brauchte. Das Störende an dieser Show war dann allerdings, dass das Streckmaterial zwischen den fünf langen Albumsongs sich tatsächlich zu sehr wie unpassendes Streckmaterial anfühlte, und sich die „Heterogenität“ der hier zusammenwirkenden Genre-Legenden dann doch auch schon mal etwas bemerkbar macht. Crovers kecke Ansage zwischendurch, sein Drumsolo und ein weiterer, schon Fantomas-mäßiger Hyperaktivitätsgetrommel-Anfall ins überbrückende Feedbackgedröhne passten irgendwie nicht zum Rest der Band. Ferner passte auch das hauptsächlich von ihm gesungene Creedence Clearwater Revival-Cover 'Effigy' stimmungsmäßig nicht so wirklich gut zum Rest des Sets. Letzteres gilt nicht ganz für eine sehr an Blood & Time erinnende Nummer mit Kelly-Priorität und ein vielleicht etwas dröges Instrumental, aber auch wenn diese beiden Songs ganz gut funktionierten, hatten sie nicht ganz die massive Ausstrahlung, die das Albummaterial live entwickelte.
So blieb es hier bei einer zwischenzeitlich mal mehr, mal weniger mitreißenden Show mit dem Bonus einer illustren Helden-Zusammenstellung, dessen Besuch ich keineswegs bereue.

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