Mittwoch, 27. Oktober 2010

US Christmas (x 2) , Harvestman, Minsk (Hawkwind) / Neurosis live

U.S. CHRISTMAS - Run Thick in the Night
Mein Erstkontakt mit „Run Thick in the Night“: Müde und angetrunken auf der Rückbank eines Kleinwagens, während der ca. einstündigen Rückfahrt von einem Doom-Konzert. Ein Zustand, in dem das sedative Element an/ von U.S. CHRISTMAS ziemlich gut aufgeht. Mit Vorgängerwerken der Kapelle bin ich eher nur sporadisch vertraut, aber es scheint als wären sie mit ihrem Stil zwischen Spacerock, Stoner/Doomslduge und Folk-Einflüssen noch mal ein Stück tiefer in das vor allem trippig-psychedelische ihrer Musik gerutscht. Ein gewisse Nähe zu jüngeren Neurosis ist hier und da nicht von der Hand zu weisen, USC sind dagegen jedoch ein bisschen mehr wie zugedrogte Lagerfeuermusik mit Strom, anstatt eine eigene Naturgewalt im Auge des Sturms, und ein bisschen greifbarer an der Wurzel traditionellerer Musikstile festhaltend, als zusehends in die Postmoderne schweifend. Die vielen eher ruhigeren Momente des Albums erinnern mich persönlich durch Streicherunterstützung und Nölgesang ferner recht stark an so etwas wie die aktuelle von Her Name Is Calla, und durch die spaceig-psychedelische Schlagseite von USC ist damit dann wohl auch endgültig noch mal die Schublade „Postrock“ bemüht.
Völlig egal, wo man es eintütet – die Musik auf diesem Album versprüht auf jeden Fall einen besonderen Zauber. U.S. CHRISTMAS finden in einem ganz eigenen, besonders „voll klingend“-atmosphärischen Klanguniversum statt, in das man sich schnell und gerne hineinziehen lässt.

PS: Geiles Coverartwork:




U.S. CHRISTMANS / HARVESTMAN / MINSK – Hawkwind Triad
Eigentlich erschien „Hawkwind Triad“ bereits im Frühjahr/Sommer, irgendwie hatte ich aber erst kürzlich bei einem zufälligen Besuch der Neurot Recordings Website davon mitbekommen. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Tribut an die britische (nach wie vor aktive!) Spacerock-Legende HAWKWIND, die hier reihum abwechselnd von U.S. CHRISTMAS, MINSK und HARVESTMAN, dem experimentalmusikalischen Solo-Alter Ego von Neurosis‘ Steve von Till gecovert wird.
US CHRISTMAS schaffen es dabei eigentlich am besten, wirklich einen dicht-atmosphärischen Space-Sound aufzufahren, was natürlich auch daran liegen dürfte, dass sie von den drei beteiligten Acts klanglich per se schon dem gehuldigten Original am nächsten tönen. Ihre vier Coversongs, darunter mit ‘Master of the Universe‘ wohl eine der wenigen allgemein etwas bekannteren Hawkwind-Nummern, gehen jedenfalls voll und ganz auf, sowohl als Verbeugung, und ebenfalls als gelungene Transformation in den eigenen Stil.
MINSK, die bei ihrem Sludge-Metal ja generell gerne mal hektisches Saxophon-Getröte und ähnliche Gimmicks auffahren, klingen bei ‘7x7‘ dann erst mal ziemlich überladen. Wie MINSK generell sind ihre drei Beiträge irgendwas zwischen potenziell interessant, durchaus eigenständig, und nicht wirklich schlecht - dabei aber dann doch auch nicht so wirklich das totale Excitement.
Von Till alias HARVESTMAN wiederum zeigt sich von einer eher etwas trocken-reduzierten, partiell erdig rockenden und Soundeffekt-unterstützen Seite, die natürlich trotz aller Andersartigkeit nicht ganz die Neurosis‘sche Identität verbergen kann, aber genau deswegen funktionieren seine vier etwas kauzig klingenden Versionen wohl auch ziemlich gut.
So durchwachsen und unnötig viele Tribut- und Cover-Kisten sonst häufig sein mögen, dieser Release weiß wirklich zu begeistern! Gerade die Darbietungen von U.S. CHRISTMAS und HARVESTMAN sind wirklich klasse, MINSK immerhin kein Ausfall und hörbar.

PS: Mein Lieblingsbild von HAWKWIND, back in the day... (nsfw!):


NEUROSIS – Live at Roadburn 2007
Da ich keine Notwendigkeit sah, dieser Veröffentlichung eines Live-Mitschnitts einen ganzen Blogpost zu widmen, in diesem Artikel aber bereits zwei weitere Veröffentlichungen aus dem Hause Neurot Recordings besprochen habe, unter denen bei einem auch noch ein NEUROSIS-Mitglied beteiligt ist, hielt ich es für eine passende Stelle, doch mal ein paar Worte dazu zu verlieren: Warum auch immer dieser Auftritt als Live-Album gewählt und jetzt erst veröffentlicht wurde, etwa im Gegensatz zum letztjährigen Roadburn-Auftritt der Band, darüber habe ich keine Kenntnis. Was hier in 77 und einer halben Minute eingefangen wurde, versprüht allerdings auch konserviert und ziemlich ungekünstelt klingend noch (wenn nicht sogar noch weit mehr!) das komplette Paket an dichter Intensität, das diese Band so mit sich bringt. Natürlich liegt der Schwerpunkt eher auf jüngerem Material, und ein Song wie 'Water Is Not Enough' vom damals noch gar nicht veröffentlichtem letzten Album mag zugegeben nicht ganz so apokalyptisch, wuchtig und heftig kommen wie der Kram, den NEUROSIS von 92-99 so gemacht haben, aber dieses einflussreiche Urgestein gehört halt nun mal nicht zu metallischen Altherrencombos, die sich auf vergangenen Glanztaten ausruhen, was sie auch wirklich nicht nötig haben. So lebendig, authentisch, mal wütend und mal nachdenklich, brodelnd und zerfetzend diese 9 Tracks einen selbst aus der moderat aufgedrehten Werksanlage des Autos packen können, sowas habe ich tatsächlich selten bei einem anderen Live-Album erlebt. Must Have!

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