Samstag, 2. Oktober 2010

Killing Joke - Absolute Dissent


Anlässlich des neuen KILLING JOKE Albums wird man die Veröffentlichung der „In Excelsis“ EP im Sommer rückblickend ruhig mal hinterfragen dürfen. Denn dessen hymnischer Titeltrack, das schmissige, auf Musikmagazin-Samplern verbratene ‚Endgame‘, sowie das Dub/Reggae-lastige ‚Ghost Of Ladbroke Grove‘ haben es noch mal auf den aktuellen Langspieler geschafft, womit nur ein reguläres Stück und ein unnötiger Remix als Legitimation der EP zurückbleiben.
Die dort angedeutete Marschrichtung, das typische an KILLING JOKE – die mal raue, mal klare, immer unvergleichliche Stimme von Jaz Coleman, sowie der unnachahmliche Gitarrensound von Geordie Walker – in einer aufs quintessenziell-wesentlich konzentrierten Rocksong-Fassung zu präsentieren, wird auf „Absolute Dissent“ fortgeführt. Allerdings, und das lies mich aufatmen, knallen und grooven die ersten drei Songs des Albums (Hammer: 'The Great Cull'!) dann trotz dieser konventionelleren Rockigkeit doch erst mal mit etwas mehr energischem Biss und Lärm als das ohne Frage zwar gute, aber partiell doch etwas steife EP-Material.
Denn ich persönlich schätze ja an KILLING JOKE vor allem die Sachen, die so ein bisschen schmutzig und aggressiv, oder episch und mit Metal-Kante, bis zu apokalyptisch tönen. Dass sie auch anders können, zeigen sie allerdings auch auf dieser Platte mal wieder:
Nach der mitreißenden Eröffnungs-Trilogie nimmt 'In Excelsis' das Tempo raus, um den Weg für den 'European Super State' zu ebnen. In jenem, recht popigen Stück, wird der KJ-Sound vordergründig mit elektronischen Komponenten fusioniert, was hier dann irgendwie etwas aus dem Rahmen fällt.
Auf besagten Track folgt mit 'This Wolrd Hell' dann allerdings überraschend der härteste und metallischste der Scheibe, dessen düsterer, krachiger Doublebass-Refrain einen förmlich mit böser Fratze umfaustet. Nach dem temporeichen 'Endgame' schaltet das Album dann allerdings in der zweiten Hälfte komplett einen Gang runter. 'The Raven King' (natürlich dem verstorbenem Basser Paul Raven gewidmet), 'Honour The Fire' und 'Here Comes The Singularity' (Waaahnsinns-Refrain!) sind wesentlich popigere Nummern im gewohnten KJ-Klanggewand.
'Depthcharge' kommt zwar noch mal mit Industrial-metallischem Ansatz daher, ist allerdings der einzige Song, den ich eher weniger gelungen finde.
Das bereits bekannte ‚Ghost Of Ladbroke Grove' schließt dann noch passend wie ein Epilog oder Abspann ab.

Unterm Strich schließen sich hier einige Kreise. Die wieder vereinte Originalbesetzung der Band (dessen Ur-Rhythm Section sich dabei übrigens in superber Form zeigt!) hat mit „Absolute Dissent“ ein Werk aufgenommen, das sich wie schon erwähnt um den Kern ihres, über die Jahr(zehnt)e experimentierend in verschiedenste Richtungen ausgeweiteten Stils konzentriert, dabei allerdings eher weitgehend in der „Alternative Metal“-Ecke jüngerer Jahre bleibt, als zu sehr noch mal aus vergangenen Wave/Post-Punk-Phasen zu fischen. Womit dann allerdings und tatsächlich ebenfalls auch noch mal eine gewisse Nähe zum jetzt gerade 30 Jahre (!) alten Debüt gegeben ist. Wie gesagt, hier schließen sich Kreise. Eigentlich hätte dieses Album das zweite selbstbetitelte werden müssen, und nicht die 2003er Scheibe mit Dave Grohl am Schlagzeug.

Um es auf dem Punkt gesagt zu haben: „Absolute Dissent“ ist ziemlich super!
Auch wenn die KJ-Lieblinge eines Krachfetischisten mit Metal- und 90er-Alternative-Background wie mir vor allem (Debüt beiseite) die beiden besonders bösartigen „Extremities, Dirt & Various Repressed Emotions“ und „Hosannas from the Basements of Hell“ sind – dieses Album kann so einiges!


Die Bonus-Disc der Deluxe Edition ist übrigens ein Tribut-Sampler und ich sage es mal ganz offen und ehrlich: Rohrkrepierer wie Fear Factory's lustlos klingende Verhunzung von „Millennium“, oder „Requiem“ im geglätteten Plastiksound der Foo Fighters muss man wirklich nicht gehört haben.

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