Donnerstag, 21. Oktober 2010

Jex Thoth ...

Erkenntnis des gestrigen Abends: Ein JEX THOTH-Konzert im Kölner Underground zu besuchen ist ja so ein bisschen wie eines dieser christlich geprägten Fantasy-Märchen zu erleben, denn das magische Wunder passiert dort ja auch immer in dem Milieu, das zur Moral des Ganzen ausreichend kontrastiert.
Warum? Weil das (der?) Kölner Underground vermutlich sowieso schon mal nicht die beste Location für eine Band ist, deren Musik besonders stimmungsvoll ist (meinetwegen auch mit einer Brise düster-romantischem Kitsch). Weil man mit WIGHT eine Darmstädter Vorband im Gepäck hatte, die mit nichtssagendem Standard-Stoner/Doom, dafür aber mit Sonnebrille auf der Bühne erst mal eher langweilte. Weil ein eher Metal-affines Konzert dieser Größe unter der Woche im Indiehippster-Köln ein sehr skurriles, teils albernes (Mopedjackentypen, die in der ersten Reihe beim mitgehen alles geben, Zylinderträger und Black Metal-Gothbarbies) , teils gar nerviges (der „Uiuiui“-Rufer) Unstyle-Publikum lockt. Weil der eine Kerzenständer auf ner Box und die viel zu zusammengepferchte Band die kleine Bühne dann ja doch ganz schön nach JuZe-.Auftritt aussehen lassen. Hinzu kommt, dass ich die Band der guten Jex mit sitzendem Keyboard-Organisten, übertrieben bangposendem Drummer und einem (zugegeben geil spielendem) Gitarristen mit der Ausstrahlung des einzigen Ökotypen im Dorf ja sowieso etwas eigen finde.
Doch das alles stand diesem magischen Fünkchen, das JEX THOTH live versprühen kann, nicht im Wege. Mit unglaublicher Stimme und voller Emotionen schmettert sie zum Retro-Sound ihrer Band vom düsteren Doom-Groover (‚Stone Evil‘) bis zur knackig-rockigen Hymne (‚Seperated at Birth‘) Songs, die nicht einfach nur eingängige Hits sind, sondern über ihre hingebungsvolle Performance regelrecht die Seele berühren. (Ja, zu so einem Satz ließ ich mich gerade tatsächlich hinreißen, obwohl ich derart abgedroschene Superlativphrasen sonst selbst ziemlich hasse.) Und das irgendwie unwirsch-mysteriöse Auftreten der attraktiven Frontdame tut sein übriges zur komplett von einem Besitz ergreifenden Stimmung eines JEX THOTH-Konzertabends, so widrig sich die Begleitumstände auch zu gestalten versuchen. Das hier war trotz allem nicht minder verzaubernd wie der wohl, allein weil in viel angenehmeren Ambiente stattfindende, nicht zu toppende JEX THOTH Gig auf der Midi Theater-Bühne des diesjährigen Roadburn Festivals. Wirklich sehr, sehr toll. Würde und werde ich mir wohl immer wieder angucken.

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