Montag, 11. Oktober 2010

Denovali Swingfest 2010

Im auf meiner musikalischen Landkarte in den letzten Jahren vor allem für Bollo-Events berüchtigten JuZe Papestraße in Essen fand dieses Jahr das DENOVALI SWINGFEST erstmals als zweitägiger Ganztags-Event statt. Und da merkte man auch schon die ersten Kinderkrankheiten, die sich bei der vermutlich einfach noch etwas zu unerfahrenen Organisation einschlichen: Anstatt, wie geplant und angekündigt, ab 13:00 die Tür auf zu haben und 14:30 die erste Band auf die Bühne zu schicken, verschob sich der Einlass mit einer auf einmal nicht mehr zu verachtenden Schlange vorm Laden auf nach zwei Uhr und die erste Band auch dementsprechend weiter nach hinten.
Bei jenen handelte es sich um die SAMUEL JACKSON FIVE aus Norwegen, die seit eh und je als Hausnummer im Postrock gehandelt werden, mich persönlich aber nicht gerade - weder auf Konserve, noch mit diesem Auftritt - zu übermäßiger Begeisterung kriegen. Die folgende Geschichte THE EYE OF TIME krankte bei ihrer Laptop- plus Cellist-Umsetzung auch als Live-Act ein bisschen daran, dass die Computer-Beats sowohl vom Sound als auch vom rhythmischen Arrangement her irgendwie einfach nicht viel hermachen. Da hat man schon spannenderes gehört.
Danach dann SWITCXHBLADE, im stockdunklen mit Leuchtröhre am Drumkit, außerdem mit Visuals. Eine Stunde lang instrumentaler Dronedoom einer lediglich mit Gitarrist und Schlagzeuger auftretenden Band, die nur selten mal von minimalistisch-monotonem Donner in etwas flottere Passagen ausbricht. Muss man definitiv mal gesehen und gehört haben, auch wenn es in derart reduziertem Extrem schon wieder eher nichts ist, was ich mir alle Tage geben müsste.
Für Abwechslung war gesorgt - Das CONTEMP
ORARY NOISE SEXTETT aus Polen begeisterte mit postmodernem Jazz, der mal ins expressionistisch-schräge, mal in schon rockiges und mal ins atmosphärische abdriftete. Besser kann ich das nicht beschreiben, denn ich bin einfach kein Jazz-Experte, doch das Gehörte gefiel!
Die folgenden YNDI HALDA habe ich auf die Gefahr eines Postrock-Overflows nur mit maximal einem Ohr mitbekommen, da HER NAME IS CALLA einem danach multi-instrumental, mit einer hochemotionalen Bandbreite aus allem von ganz ruhig bis ziemlich laut, schon einiges abverlangten. Wie auf Platte jedoch eine wirklich phantastische Band!
Auch OMEGA MASSIF sollten danach mit einer stimmungsvollen Show begeistern, die - was mir natürlich sehr gelegen kam - dann den Metal-lastigeren Anteil der Veranstaltung etwas erhöhte. Sehr stimmungsvoller, sowohl atmosphärischer, als auch brettharter Auftritt. Außerdem mit Akkordeon-Einlage.
Eigentlich hätte ich das Finale in Form von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE + THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION ja wirklich zu gerne gegeben. Der verzögerte Zeitplan war allerdings bereits soweit in Verzug, dass die ursprünglich für 23:30 veranschlagte Band um kurz nach 1 mal gerade mit dem Aufbauen begann, was an diesem Tag/Abend generell schon immer sehr (zu) viel Zeit in Anspruch nahm. So beschlossen einige Bekannte und ich - nach ca. 12 Stunden im und um das JuZe Papetraße auf den Beinen gewesen, und dabei auch durchaus das eine oder andere Bier genossen habend - zu diesem Zeitpunkt doch langsam aber sicher mal etwas abgekämpft die partiell gemeinsamen Heimreisen anzutreten. Gute Enscheidung, denn die ganz Tapferen berichteten von einer 2 Uhr startenden Show, bei der sich der Laden dann auch langsam aber sicher leerte und Besucher sich erschöpft in Ecken des Saals ablegten.
Am zweiten Tag habe ich mir die erste Hälfte, da nicht so spannend und interessant, dann erst mal geklemmt. Woran ich wohl ebenfalls gut tat, denn der Auftritt vom Jesu-Rip Off IROHA soll laut Augen-/Ohrenzeugen ziemlich lahm gewesen sein. Von BLUENECK hatte ich mir auch etwas mehr Avantgarde versprochen, als den verhältnismäßig handelsüblichen Postrock, den diese zum Besten gaben. Genau so was machen zwar auch DATURAH, aber die wiederum kriegen den Bogen bei ihren cineastischen Epen durchaus ganz gut hin. Allerdings reizten sie ihre Spielzeit mehr als aus, 1-2 Songs weniger hätten es gegen Ende schon generell ruhig sein dürfen, und diese Show endete zudem, als HEIRS nach dem zuvor an diesem Tag noch passendem Zeitplan eigentlich schon anfangen sollten. Bei besagten Australiern zog sich Aufbau und Soundcheck dann auch sage und schreibe eine dreiviertel Stunde lang. Immerhin konnte man dabei smalltalken und Smartphone-verstärkt checken, bis wann die letzten öffentlichen Verkehrsmittel gen Heimat einen bei der sich nun offensichtlich wieder signifikant nach hinten schiebenden Running Order noch nach Hause bringen.
HEIRS waren dann für mich allerdings ganz klar eines der Highlights des Festivals. Auf Konserve schon „gut“, aber eben auch noch nicht sooo der ungewöhnliche Oberknaller, funktioniert der in seinen Details durchaus etwas eigensinnigere Postrock/Drone-Metal mit Keyboard- und Teremin(!)-Spieler, leichter Industrial-Kante Richtung Swans oder Godflesh, und seltsamen Leinwand-Projektionen eines satanistischen Vintage-Kunstpornos live sogar noch besser. HEIRS bringen das, was Bands wie Mogwai oder Mono machen auf einen etwas Groove-orientierten, knallenderen Level, der ein paar Ecken und Kanten zu bieten hat. Und damit sind sie dann in der Riege an Instrumental-Bands wohl vermutlich tatsächlich die, auf die ich persönlich gewartet habe. Würde ich mir definitiv gerne noch mal angucken, geile Band!
Bezeichnend abwechslungsreich für Denovali sollte der Event dann noch enden, indem mit den japanischen MOUSE ON THE KEYS darauf erst noch mal etwas eher beschwingt-jazziges und zum Abschluss mit den Franzosen CELESTE noch wuchtig die totale Zerstörung folgen sollte. Letztere übrigens dann erst ab kurz vor Mitternacht, anstatt wie geplant um 22:30. Auf einem Sonntag. Da mussten dann einige Besucher, die mit öffentlichen unterwegs waren, und/oder einfach nur schon so alt und spießig sind, dass sie Angst vorm montäglichen Weckerklingeln haben, leider auf das wüste Finale verzichten.
Fazit: Sympathisches Label mit sympathischem Event, Rahmenbedingen und Sound waren absolut in Ordnung. Die Marathon-Umbaupausen/-Soundchecks und Verzögerungen nervten allerdings ziemlich. Zeitverzug von um die zweieinhalb (am ersten Abend) und eineinhalb Stunden (am Sonntag trotz Vorankündigung, einen frühen Zapfenstreich anzustreben) beim jeweiligen Abschluss-Act sind echt schon ne Hausnummer. Vor allem, wenn man die fiktive Running Order an die Wand hängt … aber man kann nicht alles haben.

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