Mittwoch, 18. August 2010

Until The Light Takes Us

Der o.g. Dokumentarfilm über norwegischen Black Metal, auf den ich hier schon vor einiger Zeit hingewiesen habe, ist in hiesigen Programkinos und auf dem DVD-Markt angekommen.
Bis die DVD mit mehreren Stunden Bonus-Material vorliegt, kann man zum eineinhalbstündigen Hauptfilm zumindest folgendes feststellen:


- Mich würde mal interessieren, wie der Informationsgehalt über Darkthrone, Mayhem, Burzum und die Protagonisten dieser Bands auf bei dem Thema bisher Unbeleckte so wirkt. Irgendwie habe ich nicht den Eindruck, dass die ganze Geschichte über ein paar grobe Fragmente hinaus tatsächlich ausgebreitet wird.

- Es ist in der Tat ein bisschen problematisch, wie sich einige Figuren der Früh90er BM-Initialzündung hier produzieren dürfen. Varg Vikernes kann sich völlig wertungsfrei als eloquenter Philosoph und smarter Rebell inszenieren, ohne dass auf die gelinde gesagt streitbaren Seiten seiner Weltanschauung und Hintergründe wirklich eingegangen wird. Der Film schafft es sogar, ihn selbst noch, wenn er aus seiner Perspektive über den Mord an Øystein Aarseth aka „Euronymous“ und die folgende Gerichtsverhandlung berichtet, in ein regelrecht sympathisches Licht zu rücken.
Das Statement, das Drummer Jan Axel Blomberg alias „Hellhammer“ über den Mord von „Faust“ an einem Schwulen ablässt, sollte meiner Meinung nach sogar ferner noch mal genug Zündstoff abwerfen, den gerne mal auf Political Correctness pochenden Hauptorganen der Metal-Presse die Frage vorzuwerfen, inwiefern man eine solche Person nach wie vor featuren und somit unterstützen sollte.

- Die klimatische Kunst-Performance am Ende, begleitet von Fenriz' Kommentaren über den Trend, der aus Black Metal wurde, liefert tatsächlich eine gelungene Zusammenfassung über den Status Quo des Genres ab. Man erlebt Zerstörung und Selbstzerstörung als popkulturelle Inszenierung zwischen ursprünglicher Authentizität (durch den mitwirkenden Satyricon-/1349-Drummer „Frost“) und Mainstream-assimilierter Unterhaltungsshow. Ein Zustand, in dem Black Metal als Musiksparte und Phänomen tatsächlich steckt.

Unterm Strich geht es mir mit diesem filmischen Werk so, wie die Macher mit ihren eingefangenen Figuren verfuhren: Eine gewisse Faszination, einhergehend mit ausreichend Unterhaltungswert, ist nicht von der Hand zu weisen, so richtig zu einer Wertung kann ich mich allerdings nicht durchringen. Denn „Until The Light Takes Us“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein kleines Fenster zu den Anfängen des norwegischen Black Metals und den Skandalen, die ihn umgaben, wird wirklichem historischen Informationswert über diese Welt dabei aber nicht gerecht.

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