Donnerstag, 15. Juli 2010

Trist – Hin

Unter o.g. [Bandnamen – Songtitel] verbirgt sich eine meinerseits frisch gemachte Entdeckung, die ich unbedingt teilen möchte, auch wenn sie wohl nur bei einem Bruchteil von tendenziell affinen Musikliebhabern auf Gegenliebe stoßen dürfte.
Es gibt wohl mehrere Bandprojekte unter dem Namen TRIST, gemeint ist hier jedenfalls das 1-Mann- Projekt eines Kern-Mitglieds der aufgelösten Lunar Aurora. Bei jener Kapelle handelte es sich um Underground-Black Metaller aus Bayern, deren nah an der Old School Wurzel äußerst roh schrotender, dabei aber doch sehr atmosphärisch und trotz Corpsepaint mehr oder minder „eher künstlerisch als ideologisch ambitioniert“ umgesetztem Sound in Szenekreisen durchaus eine gewisse Position zugestanden wurde.
Unter dem Projektnamen TRIST lebt sich der werte Herr nun in Ambient- und inzwischen auch „Ambient Black Metal“-Gefilden aus; im Zentrum seines bisher wohl durchaus streitbaren Schaffens steht dabei das 2007er Konzept-Doppelalbum „Hin-Fort“. Die zweite CD, die u.a. auch den Schlusstrack „Fort“ enthält, ist voll und ganz in Dark Ambient-Gefilden unterwegs. Düstere Soundcollagen, Sprachsamples, Gruselatmosphäre. Und um ehrlich zu sein, finde ich das alles auf Dauer eher minder interessant.
Auf CD 1 jedoch findet sich mit dem 60minütigem (!) Song „Hin“ eine regelrecht hypnotische Erfahrung. Nachdem man 13 Minuten Vorgeplänkel in Form einer Dark Ambient Soundkonstruktion hinter sich gebracht hat, wird jene kurz für ein ca. 1minütiges Sprachsample wieder etwas zurückgefahren, um dann with a bang monoton nach vorne kloppende Blastbeat-Drums und Gitarrenlärm von der Leine zu lassen. Irgendwie ist der Sound ein schwer zu differenzierender Brei, bei dem eventuelle Variationen etwas untergehen, auf der anderen Seite fallen diverse Wiederholungen (ein immer wieder auftauchendes Synthie-Thema; so etwas wie vermutlich verfremdete Vocals) dann doch etwas auf. In seiner epischen Länge verfehlt das Ganze jedenfalls nicht eine faszinierende Wirkung, den Hörer auf fast schon zermürbende Weise einzuvernehmen. „Hin“ fühlt sich an, wie kilometerlang gegen ein schweres Unwetter anzulaufen, oder im All durch den Hyperraum gewirbelt zu werden.
Und es passt auch ferner zwischen Sleep's Doom-Hymne „Dopesmoker“ und dem Lärmepos „Ladybird“ von Shit and Shine perfekt in die 1track-Obskuritätenecke des Plattenregals.
Und auch wenn ich jeden verstehen kann, der das hier überhaupt nicht gut findet, oder gar als prätentiös und gewollt mit wenig wirklicher Substanz abstrafen möchte, ich außerdem auch gerne eingestehe, dass TRIST gerade auch abgesehen von diesem Mammutsong kein besonders zwingend essenzieller Act ist - irgendwie funktioniert das Teil für mich einfach. Mit so was kann man wohl einfach bei mir landen.

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