Sonntag, 20. Juni 2010

Nachtmystium - Addicts: Black Meddle, Part II

Die ungeniert zur Kenntnis gegeben Drug Abuse-beeinflusste USBM-Band NACHTMYSTIUM entfernte sich auf ihrem letzten Longplayer „Assassins: Black Meddle, Part 1“ weiter vom Corpsepaint-Stil ihrer Anfangstage, zugunsten eines eigenen Allerlei-Metal-Sounds, der neben einer gewissen Rock’n’Roll-Kante und dezenten Anflügen von Industrial vor allem starke Psychedelic/Progressive Rock-Einflüsse verarbeitete (mit der Pink Floyd-Referenz gleich plakativ im Untertitel).
Zum Sequel „Addicts: Black Meddle, Part II” kündigte Bandkopf Blake Judd im Vorfeld an, daneben dieses mal u.a. auch stärker von Bands wie Killing Joke oder Ministry inspiriert worden zu sein.
Nun ja, der nach dem etwas seltsamen Intro rasant und räudig losknatternde Song 'High on Hate' (Gods Will Be Done, anyone?) täuscht eigentlich nur an, denn was auf „Addicts“mit den acht Songs danach folgt hat mit schwarzmetallisch verwurzelter Raserei nur noch selten zu tun. Blastbeats sind eigentlich nur noch gelegentliche Akzentuierungen von Nummern, die sich überwiegend in Regionen von getragen bis Midtempo bewegen. Den Vogel schießen NACHTMYSTIUM dabei dann u.a. dadurch ab, dass z.B. das waverockig stampfende 'Nightfall' fast schon einen Hauch „Indiedisco“ versprüht, oder das durch Synthie-Gedudel unterstütze 'No Funeal' stark nach Gothic müffelt. Überhaupt sind die Konservenzusätze, wie z.B. ein regelrecht Clap-artiger Snare-Sound bei zwei Tracks, irgendwie etwas seltsam.
Was man allerdings nach mehreren Durchläufen feststellen und zugeben muss: „Addics“ ist wirklich kein schlechtes Album. Hat man die ersten Schocks und Fragezeichen überm Kopf verdaut, funktioniert diese bedächtige Herangehensweise an harte Musik mit dicht-dunkler Atmosphäre in neun kompakt und griffig auf den Punkt gebrachten, wieder mal oft eher "rockig" und dabei fast schon etwas mehr "Disco-Metal" als "skandinavisch trve" (if you now what I mean) veranlagten Songs tatsächlich sehr gut. Das Album ist weit von einem potenziellen Klassiker oder „must have“ entfernt, aber es läuft nach einiger Gewöhnung dann doch wirklich sehr gut rein. Was, wie ich finde, schizophrenerweise dann auf der anderen Seite auch wieder heißt, dass man es nach einiger Rotation u.U. auch erst mal wieder ganz schön leidgehört hat.
Let's put it this way: „Addicts: Black Meddle, Part II” ist, eigentlich ähnlich wie sein Vorgänger, eines dieser saisonell viel im Player landenden Alben einer Band, zu der wir derzeit auch gerne mal live pilgern, die uns in ein paar Jahren aber schon wieder eher egal sein wird. Da bin ich mir ziemlich sicher ...

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