Montag, 7. Juni 2010

Melvins - The Bride Screamed Murder

Witzig fängt sie an, die neue MELVINS (und bleibt sie auch). Der Opener ‚The Water Glass‘ hat was von so einer „Laufschritt-Militär-Gospel“-Nummer. Eigentlich ist sie eine, so von der Melodieführung her, und auch so richtig mit „Call and Response“-Prinzip, nachdem das Vorgeplänkel mit wüstem Gitarrenkrach und Marschgetrommel abgehakt wurde.
Seit Osbourne und Clover ihre Bastard-Kinder, das eh ein bisschen wie sie selbst klingende Powerduo Big Business einfach mal eben mit in die eigene Band assimiliert haben, sind sie ja tatsächlich erst noch doppelt so geil geworden. Ein eigensinniges, verspieltes, dabei aber doch verhältnismäßig eingängiges und höchst mitreißendes Hardrock-Monstrum.
„The Bride Screamed Murder“, das dritte Studioprodukt dieser mit zwei Drummern aufwartenden Fusion, ändert allerdings mal wieder ein wenig den Kurs. In Kontrast zu den beiden Vorgängerscheiben rockt man sich ein ganzes Stück verquerer durch eigenwillige Arrangements, schräge Song-Ideen und mitunter seltsame Sounds, holt dabei dieses Mal zwar noch viel mehr aus der Doppelschlagzeug-Sache heraus, kommt allerdings hier und da immer auch wieder regelrecht bei bizarrem Dadaismus Helge Schneider’schem Ausmaßes an. Classic Rock, Punk und Sludge-Metal treffen nicht nur auf Jazz-Versatzstücke, sondern auch überraschendes Geflöte, debile Stimmlagen, komische Percussion, und beiläufig eingeschobene Gags.
Höhepunkt an gemein kichernder, entrückter Eigensinnigkeit ist das zähe Cover des The Who-Welthits „My Generation“, den man eigentlich nur noch aufgrund des Textes wiedererkennt. Die Resterampe von Schlusstrack, mit A Capella-Part (Harvey Milk lassen grüßen), schließt das Werk dann auch noch völlig far out entgleisend ab.
Waren „(A) Senile Animal“ und „Nude With Boots“ zwei Alben, bei denen primär das Abrocken auf der Agenda stand, so lässt sich die Band bei „The Bride Screamed Murder“ nun mal wieder stärker von ihrer humorvoll-experimentellen Seite gehen.
Und das Geile daran ist: Selbst nach dem zehnten Hören hat man das Gefühl, das Album immer noch nicht wirklich ganz erfasst zu haben, und hört es mit interessierter Freude dann auch gerne noch ein weiteres mal. Auch wenn man dabei dann passagenweise die Vermutung nicht loswird, hier entweder verarscht zu werden, oder einfach nur eine eigentlich ziemlich gute Band in nicht optimaler Tagesform zu erleben. Das wiederum ist die Kehrseite eines Melvins-Albums wie diesem. Heißt: Selbst wenn die Urgesteine hier keines ihrer Muss-Alben abgeliefert haben mögen, hört man sich den kruden Kram immer noch sehr viel lieber und begeisterter an, als den so manch anderer bemühten Krachkapelle.
Hit der Scheibe: 'Pig House'.

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