Dienstag, 8. Juni 2010

Live & mittelmäßig: The Ocean & Kodiak

Man kann ja nicht immer nur polemisch verreißen oder euphorisch abfeiern – manchmal erlebt man halt einfach nur das schiere Mittelmaß. Das hinter mir liegende Konzert von THE OCEAN und KODIAK im Dortmunder Fzw ist so ein Fall.

Zunächst muss ich an dieser Stelle mal betonen, das neue Fzw ja inzwischen doch ganz schön lieb gewonnen zu haben. Die anfängliche Skepsis über die sterile Mehrzweckhallenästhetik ist inzwischen anerkennender Freude über das mitunter exquisite Livemusik-Programm und dem meistens hervorragenden Sound gewichen.

Ebenfalls positiv zu bewerten ist, gerade für Leidtragende der Lohnsklavenschaft, dass sich die Events unter der Woche nicht bis in die Puppen ziehen, und die Vorgruppe KODIAK somit pünktlich um halb neun auf die Bühne geschickt wird. So was ist nicht selbstverständlich, in so mancher Kölner Location hätte man vor zehn erst gar nicht auflaufen brauchen …
Aber ich sach et mal ganz offen: Länger als einen halbstündigen Supportslot will man den langatmigen Instrumental-Dronedoom des Trios aber wohl auch nicht sehen und hören. Von der erzeugten Atmosphäre und Intensität her hat das Ganze zwar durchaus funktioniert, aber da gehört sooo viel nun auch nicht zu, und viel mehr als das ist da im Falle von KODIAK nun auch nicht. Zudem hatte der Schlagzeuger einfach nicht seinen besten Tag, und ich bin leider so Musikerpolizei-mäßig drauf, dass mir da so ein paar auffällige Patzer das Gesamtvergnügen schmälern. Gerade bei solcher Musik, die von ihrem Spannungsaufbau lebt. Wie gesagt : Mittelmaß. Nichts, das man in Zukunft unbedingt vermeiden wollen würde, aber auch nichts, das man zeitnah unbedingt schon wieder sehen wollen würde.

Mein Verhältnis zu THE OCEAN ist ja eh ambivalent. Mehr Ensemble-Projekt mit ständig rotierendem Besetzungskarussell und variierendem Konzept als wirkliche Band, kommt mir die Kiste ja schon irgendwie sehr prätentiös und aus dem Baukasten konstruiert vor. In ihrer aktuellsten Line Up- und Stil-Inkarnation kommt das Ganze zwar nicht so affektiert und übertrieben rüber wie in der Vergangenheit schon mal, aber so richtig der Knaller ist die Berliner Truppe auch nicht. Zu einer durchchoreographierten visuellen Komponente (Lightshow, Videowand), und Musikern zwischen Technikfriemelern und HC-Abgehern gesellt sich neuerdings auch ein Frontmann, der über weite Strecken mehr singt als brüllt, sowie eine Menge orchestraler Kram aus der Konserve. Das Ergebnis klang dann manchmal wie eine Mischung aus 90er-Alternative-Metal und Dimmu Borgir. Das ist das allgemeine Problem an THE OCEAN. Sie klingen immer irgendwie „wie (…)“, ihre Bühnenperformance erinnert „an (…)“, es wirkt bemüht aber unoriginell. Die spektakuläre Verpackung kann einfach nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Inhalt auch hier – wie gesagt – einfach nur ziemliches Mittelmaß ist.
Tjoah.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen