Dienstag, 22. Juni 2010

Black Tusk

Diese Band ist ja derart offensichtlich ein mutmaßlich im Trend liegender Selbstläufer, dass man da zum cool sein eigentlich schon wieder aus Prinzip eine Verweigerungshaltung an den Tag legen müsste: Wie Baroness und Kylesa kommen BLACK TUSK aus Savannah, Georgia, USA. Wie Baroness und Kylesa ziert Ihren aktuellen Longplayer „Taste the Sin“ ein wunderschönes Coverartwork von Baroness‘ Mainman John Baizley. Wie Baroness kam besagtes Album kürzlich via Relapse Records, und wie Kylesa schrammelbollert das Trio ruppig-rocktigen Sludge-Metal nach vorne.
BLACK TUSK als „Kylesa light“ zu bezeichnen klingt zwar irgendwie eher unschmeichelhaft, aber die musikalische Ähnlichkeit ist tatsächlich groß und mehr als das sind sie dann auch tatsächlich nicht.

Unterm Strich macht ihr rock'n'rollig auf den Punkt gebrachter, manchmal schon etwas zu simpel-ungeniert dahergepolterter Kram durchaus Spaß, aber. Ja, aber. Das (bzw. mein) Problem an Veröffentlichungen wie dieser: Bands wie eben diese schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Keine davon erreicht die kompromisslose Abgefucktheit, die Genre-Urväter wie EyeHateGod oder Buzzov•en einst an den Tag legten, oder die schwer(verdaulich)e Wucht von Harvey Milk. Geschweige denn die songschreiberische Finesse des letzten Kylesa-Albums. Längst im Prog versumpfte oder seit eh und je mathcoreig veranlagte Bands wie Baroness, Keelhaul oder Mastodon lasen wir gleich mal außen vor ... aber man hat das alles halt auch schon mal in aufregender gehört.
Personell wie musikalisch aufs wesentliche reduzierte Bands wie Black Cobra, Dark Castle oder eben auch Black Tusk (ich sehe da ein Muster ...) mögen einen gewissen punkigen Spirit und dadurch auch ihren Reiz haben, aber wie bei jeder „Trendwelle“ – sei es Instrumental-Postrock oder Bollercore – macht sich irgendwann Übersättigung breit. Bei mir kommt diese inzwischen generell und aktuell damit leider auch auf besagtem Sektor ziemlich schnell.

Vielleicht kommen aus dieser Ecke noch mal1-2 Klassiker-Alben, aber „Taste the Sin“ gehört erst mal nicht dazu. So gerne ich das Nesthäkchen der Savannah-Familie auch mit abgefeiert hätte ...
Immerhin: Der dreckig dahingerotzte Charme und das jugendlich-ungestüme einer Band wie dieser ist mir heutzutage ja doch lieber als das Groß an steril überproduzierten Seelenlosigkeiten, mit denen die „konventionelle Metal-Szene“ in den letzten Jahren so auftrumpft(e). Soll heißen: Wenn ich ehrlich bin, ist mir ein mittelmäßiges Black Tusk-Album momentan immer noch lieber als was neues von Fear Factory, if you know what I mean.

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