Dienstag, 22. Juni 2010

the big four

„Wir werden immer mehr wie unsere Eltern“ schrieb neulich jemand anders mal irgendwo im Weltnetz. Und er hatte recht. Das Klischeebild, über das wir früher immer geschmunzelt haben, von dem Familienvater, der auf seine alten Tage noch mal auf dem Stones-Konzert „Säddäsfäkschn“ mitsingend auf den Putz haut – ja, meine Genration wird auch so enden. Sie ist de facto schon dabei.

Anlass für diesen Anfall ist die „Sonisphere“ Festival-Sache, bei der erstmals seit Dekaden „the big four“ tatsächlich gemeinsam die Bühne teilen.
„The big four“, das sind die vier großen Namen der Speed/Thrash Metal-Bewegung der 80er: METALLICA, SLAYER, MEGADETH und ANTHRAX. Leute, Leute – der Quatsch kommt doch echt mal zwanzig Jahre zu spät, sich da jetzt noch einen drauf zu ... na, Ihr wisst schon. Warum? Gehen wir die Liste mal durch :

ANTHRAX: Muss ich da wirklich noch was zu sagen? Okay: „We've come for you all“ brachte der Band 2003 einen Erfolg, wie sie ihn lange nicht mehr gehabt hatte. Nachgeschoben wurde ein Compilation-Album, auf dem Gottsänger John Bush die kultigen Thrash Metal-Kamellen seines Vorgängers Belladonna neu einschmetterte. Alles, was Ian und co. danach bisher geschissen bekommen haben, war unsägliches Line Up-Hickhack, das ich im Detail nicht wiedergeben muss. Fakt ist: Joey Belladonna ist weder Bruce Dickinson noch Rob Halford und Bush-thrax waren nicht Ripper-Priest oder Blaze-Maiden, sondern womöglich eine der allerbesten und sträflich unterbewertetsten Bands, die der Metal-Sektor hergab. Auch wenn ewiggestrige Kuttenträger nach wie vor auf ein „Among the Living II“ warten, was sie nun vielleicht sogar noch kriegen. Ohne mich! Denn die ganze Vorstellung ist mittlerweile peinlicher als http://www.themetalinquisition.com/2009/02/metal-inquisition-investigative-report_20.html


MEGADETH: Diese Band veröffentlichte ihr letztes zwingendes Album 1992. Und das sage ich als jemand, der im Gegensatz zu spießigen Altmetallern findet, dass „Youthanasia“ ('94) weit besser als sein Ruf ist, aber da kann ich auch mal fünf gerade sein lassen. Wenn man weiterhin aber mal ganz ehrlich ist hat es jeder, der auf die halbsteif konstruierten Retroversuche der jüngeren Vergangenheit abgeht, auch wirklich nicht besser verdient. Spürbar kalkuliertes Abliefern hat schlicht und ergreifend nichts mit guter Musik zu tun. Hinzu kommt: Mustaine. Wie kann es diese Heulsuse mit sich selbst vereinbaren, da überhaupt mitzumachen, denn er beweist immer wieder nie über Metallica weggekommen zu sein. Mimimimi. Selten habe ich mich so fremdgeschämt, wie bei seinem Heulkrampf vor Ulle und dessen Therapeuten, den „Some Kind of Monster“ für die Nachwelt festhielt. Muss ich diesen „Mann“ noch auf der Bühne 'Holy Wars' und 'Hangar 18' runterzocken sehen? Nein!

SLAYER: Slayer sind Slayer und man lässt sie einfach Slayer sein. Heilige Kuh, mediokere Spätwerke, wiederholte Absagen wegen Stimmproblemen, oder ein immer mehr abbauender Lombardo hin oder her. Slayer sind halt Slayer. Natürlich sind auch hier die Glanzzeiten vorbei, live pusten sie an einem guten Tag aber immer noch alles weg. Ja, wir haben unsere Slayer lieb. Aber wenn, dann auch bitte als Headliner und nicht im Megastadionpackage.

METALLICA: Let’s face it – Metallica sind scheiße. Ja, jetzt ist es raus. Metallica ist doch echt mal 'ne völlige Kackband. Was bei beteiligten Charakteren anfängt und den musikalischen Ergüssen der letzten 15 Jahre wohl leider noch lang e nicht aufgehört hat. Wenn man ein mal bei „Some Kind of Monster“ gesehen hat, wie Redneckmutant Hetfield frisch aus der Rehab auf seinen 4St.-Arbeitstag besteht, Ulle Sekt schüttend Geschmiere an Kunstsammler verkauft und seinen Catweazle-Vater neue Tracks probehören lässt, und die Gurkentruppe ohne ihren heimlichen Kindergärtner Bob Rock völlig überfordert wäre, gibt es kein Zurück mehr. Nie wieder. Ja gut, man muss der „größten und erfolgreichsten Metal-Band“ dafür dankbar sein, dass ihre ersten 3-5 Alben viele andere Musiker (mit)inspirierten Instrumenten harte Klänge zu entlocken. Und ja, irgendwie muss man ihnen ebenfalls sogar dafür dankbar sein, dass sie einem den Sommer '91 einst mit diesem ewigen Dorfdiscogassenhauer versüßten. Wenn ich allerdings noch ein mal zufällig in einen „Rock am Ring“-Auftritt telezappe, bei dem dieser nutzlose, talentarme Haufen seine eigenen Oldies breiig und untight in die Instrumente bzw. aus der PA quält, heule ich aus Verzweiflung mehr Rotz und Wasser als Mustaine auf der Therapiecouch. Es geht mir echt nicht mehr rein, wie Men of Wealth and Taste einer solchen Kirmeskapelle dieser Tage noch eine derartige Götzenverehrung entgegenbringen können. Bin ich tatsächlich der einzige, der 'For whom the bell talls', 'Fade to black‘, 'Seek and destroy‘ und 'Nothing else matters‘ absolut nicht mehr hören kann und will? Der Ulle’s Grimassen und ständiges vom Drumhocker aufstehen nicht mehr sehen müssen möchte? Kann doch gar nicht sein?!?!

Und auf dieses Gesamtpaket sind 2010 tatsächlich noch Metal-Fans heiß? I don’t get it. I don’t fuckin’ get it.

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