Freitag, 27. März 2009

Mastodon - Crack The Skye

Eigentlich hatte ich jetzt schon ein etwas polemisch auf anderen Reviewern und Musikfreunden rumhackendes, und mich selbst als selbstherrlichen Oberchecker hinstellendes Review zum neuen MASTODON-Werk zu ¾ fertig geschrieben, dann aber noch umgedacht.

Eines allerdings dennoch vorweg: Man musste kein prophetischer Seher sein, um ein noch etwas mehr auf Progrock-Pfaden wandelndes denn auf brutalen Krawall ausgerichtetes Album zu erwarten. Genauso wie die Tatsache, dass viele Altfans aus der relapsigen Krachmusik-Ecke da dann eher das Kotzen kriegen.

Wie anders oder doch ähnlich zu den vorangegangenen drei Longplayern „Crack The Sky“ ausgefallen ist – das wird gerade in Musik-bezogenen Internet-Communities mit unterschiedlichen Standpunkten heiß diskutiert. Wenn Ihr mich fragt, sind die typischen Elemente der Band nach wie vor da. Das musikalische Gesamtkonstrukt hat sich halt nur mehr auf die atmosphärischen, vertrackten (paradoxerweise dann aber doch zugänglicheren), melodischen, ich möchte schon fast sagen „introvertierten“ Bestandteile ihrer Musik konzentriert, anstatt den brachialen Schlag in die Fresse in den Vordergrund zu stellen. So haben die beiden Mammutnummern 'The Czar' (in vier Akte unterteile 10.54 Min.!) und 'The Last Baron' (13 Minuten!!), oder auch 'Ghost Of Karelia' eigentlich immer noch viel von dem, was sie z.B. auf „Leviathan“ gemacht haben, nur bleiben die ganz brutalen Arschtreter-Momente halt aus. Der Titelttack kriegt dann wiederum den Bogen hin, die Extreme auszuloten: Als einziger Song fährt dieser dann doch mal etwas fieseres, leidendes Gebrüll auf, aber ebenso extra-hymnisch intonierte Passagen. 'Diviations' ist zudem der „kurz und knackigste“, prinzipiell schon als popig zu bezeichnende Song, den MASTODN je gemacht haben, dabei aber immer noch eine rasante Abfahrt aus irrsinnigem Ghostenote-Drumming (geht manchmal im Gesamtsound leider etwas unter) und gekonntem Gitarrrengewichse.

Krass ist im Übrigen auch, dass sich die sieben Songs in 50 Minuten wie eine kurzweilige EP anfühlen, bei denen man an einigen (=nicht allen, aber doch einigen) Stellen gar nicht so richtig merkt, wann ein Track aufgehört und der nächste angefangen hat.

Gut, die Band klingt „zahmer“ als zuvor. Mit dem kaputten Lärm von „Remission“, welches eigentlich immer noch mein Lieblingsalbum von MASTODON ist, hat das an der Oberfläche nichts mehr zu tun. Aber man muss schon ziemlich verbohrt sein, nicht anzuerkennen, dass „Crack The Skye“ ein großartiges, mit jedem Durchlauf wachsendes Prog-Metal-Album ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ach ja: Zum dritten mal in Folge ist übrigens NEUROSIS' Scott Kelly als Gaststar mit von der Partie. Eben jener macht unverkennbar, aber sich dennoch perfekt einfügend die herben Vocals beim Titelsong. Guter Mann.

Hier der Fazit: Wem das hier zu wenig Gebrüll und Geprügel ist, der sollte einfach die Scheuklappen weiterhin aufbehalten, zur aktuellen Kylesa greifen und damit glücklich werden. „Crack The Skye“ ist allerdings gut. Es lässt vielleicht etwas vermissen, was man zuvor an der Band gut fand, aber dieses äußerst homogene Gesamtwerk ist zu gut und rund, außerdem dann doch noch irgendwie wieder zu typisch und quintessenziell, um es nur aufgrund seines Mangels an Aggro-Momenten als Fan der Band nicht zu mögen.

Es wird das für MASTODON äußerst schwierige nächste Album sein, mit dem stehen und fallen könnte, inwieweit man sich dem noch hingeben kann und will, und wieviel kreatives Potenzial dann noch da ist. Bis dahin bin ich mit der aktuellen Scheibe aber dann ja erst mal doch sehr zufrieden!